Gedenkort für die Opfer des deutschen Kolonialismus im Humboldt Forum

Humboldt Forum Berlin

Initiativgruppe
Gedenkort für die Opfer des deutschen Kolonialismus im Humboldt Forum
Erklärung, 15.02.2019

Anfang Januar 2019 trat unsere Initiative „Gedenkort für die Opfer des deutschen Kolonialismus im Humboldt Forum” mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit.

Er wurde motiviert durch das Fehlen einer zentralen Gedenkstätte für die Opfer der deutschen Kolonialgewalt. Als ersten Schritt hierzu haben wir angeregt, einen entsprechenden Ort in das Humboldt Forum zu integrieren.

Unser Vorschlag will die Forderung nach einer nationalen Kolonialismus-Gedenkstätte sowie die zahlreichen dezentralen Initiativen in der Hauptstadt und im ganzen Land durch einen Fixpunkt im Humboldt Forum verstärken und ergänzen. Die Forderung nach Rückgabe aller Objekte, die in kolonialen Unrechtskontexten zu uns gekommen sind, bleibt hiervon unberührt. Den Gedenkort im Humboldt Forum verstehen wir somit als ein Element eines Gesamtkonzepts für postkoloniale Erinnerungskultur in Deutschland, das es erst noch zu erarbeiten gilt.

Ausschlaggebend für unsere Initiative sind vor allem zwei Motive: Zum einen wollen wir gerade an diesem symbolisch hoch aufgeladenen Ort, Residenz der deutschen Kaiser, den Blick auf das Unrecht der Kolonialherrschaft und die Leiden ihrer Opfer richten. Zum anderen sind wir der Auffassung, dass der vom Humboldt Forum angestrebte Dialog der Weltkulturen nur gelingen kann, wenn sich die deutsche Seite selbstreflexiv mit den geschichtlichen Schattenseiten der eigenen Einwirkung auf andere Weltregionen befasst. Die Besucher und Besucherinnen des Humboldt Forums sind dafür eine offensichtlich geeignete Zielgruppe.

Der Appell erfolgte in Zusammenarbeit mit Hermann Parzinger als Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der seine Unterstützung frühzeitig signalisierte. Binnen eines Monats haben über 200 Personen den Aufruf unterzeichnet. Darunter finden sich zahlreiche mit diesem Themenkomplex befasste Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Auch prominente Personen des öffentlichen Lebens erklärten ihre Unterstützung, u.a.:
– Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin der Hilfswerke Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe
– Markus Meckel, Minister a. D.
– Wolfgang Thierse, Bundestagspräsident a.D.
– Michael Vesper, Minister a. D.
– Ludger Volmer, Staatsminister a.D.
– Heidemarie Wieczorek-Zeul, Ministerin a.D.

Da unser Aufruf binnen Monatsfrist eine erhebliche Resonanz in Form unterstützender und kritischer Stellungnahmen gefunden hat, haben wir unser bescheidenes Ziel erreicht. Wir wollten die historisch kontextualisierte Ausgestaltung des Humboldt Forums als Teil eines bundesweiten Gesamtkonzepts für postkoloniale Erinnerungskultur ins Gespräch bringen. Die dadurch angestoßene öffentliche Diskussion ist nicht wirkungslos geblieben. Dies zeigt sich beispielsweise in der Feststellung von Hermann Parzinger, der unlängst erklärte: „Auf die zunehmende Aktualität der deutschen Kolonialgeschichte in unserer Öffentlichkeit muss das Humboldt Forum reagieren. Und es wird darauf reagieren.“

Die konkrete Ausgestaltung dieser Idee bleibt weiteren konzeptionellen Diskussionen und gegebenenfalls der Ausschreibung eines internationalen Wettbewerbs durch die Verantwortlichen des Humboldt Forums überlassen. Wir setzen uns dafür ein, dass bei diesem Prozess zivilgesellschaftliche Akteure, insbesondere die postkolonialen Initiativen in Deutschland, sowie Stimmen aus den ehemals kolonisierten Gesellschaften eine wichtige Rolle spielen.

Wir danken Allen, die sich unserem Aufruf angeschlossen und auf diese Weise dazu beigetragen haben, die gesellschaftliche und politische Auseinandersetzung mit dem deutschen und europäischen Kolonialismus und seinen Auswirkungen bis in die Gegenwart voranzubringen. Der von uns vorgeschlagene Gedenkort im Humboldt Forum könnte ein bescheidener, doch wichtiger Beitrag auf dem weiteren Weg zur Dekolonisierung unserer Museen und unserer Gesellschaft sein.

Henning Melber, Imme Scholz, Johanna Ridderbeekx, Ludwig Brügmann, Michael Zschiegner, Thomas Fues.

                                            >> Unterschriften: 15.02.2019

siehe >> Antrag: Deutscher Bundestag_12.02.2019

|