Südafrika: Eckdaten – Land & Leute, Wirtschaft, Politik & Geschichte – zum Staatswesen und zur Verwaltung

Friedensnobelpreisträger aus Südafrika: Albert Luthuli [1960], Desmond Tutu [1984] Frederik Willem de Klerk und Nelson Mandela [1993]

Offizielle Bezeichnung und Umfang

englisch: Republic of South Africa; deutsch: Republik Südafrika; umgangsprachlich-inoffiziell: “eMzansi”/”eMzantsi” (= “im Süden/im Südlichen”) Kolonialzeit bis 31. Mai 1910 (von Großbritannien; wurde `Union of South Africa´/`Südafrikanische Union´); demokratischer Rechtstaat seit 27. April 1994. Fläche 1.219.912 qkm; Bevölkerung (2014, geschätzt): 54.002.000; Bevölkerungsdichte (2011): 42,4 Einwohner/km²; Bevölkerungswachstum (2014, geschätzt): 1,58%.        (siehe etwas weiter unten >> DIE  PROVINZEN)

Die Republik Südafrika liegt mit ihrer Hauptstadt Pretoria [Regierungssitz] (Parlamentssitz: Kapstadt) am südlichsten Rand des afrikanischen Kontinents zwischen dem 22. und dem 35. Grad südlicher Breite sowie 17. und 33. Grad östlicher Länge. Sie ist mit einer Fläche von 1.219.912 Quadratkilometern mehr als dreimal so groß wie Deutschland bzw. so groß wie Holland, Belgien, Italien, Frankreich und Deutschland zusammen. Nach wie vor gehören die Prince-Edward-Inseln im südlichen Indischen Ozean zur Republik Südafrika.

Im Nordwesten grenzt das Land an Namibia, im Norden an Botswana und Zimbabwe und im Nordosten an Mosambik und das Königreich Swasiland; das ebenfalls benachbarte Königreich Lesotho liegt geographisch mittendrin des Territoriums Südafrika. Zudem wird das Land mit seinen 2500 Kilometern Küstenline von zwei Ozeanen berührt – im Westen vom Atlantischen und im Osten vom Indischen Ozean. In der Länge erstreckt es sich über fast 2000 Kilometer vom Limpopo-River im Norden zum Cape Agulhas im Süden und in der Breite vom unfruchtbaren Küstenstreifen im Westen, dem Namaqualand. 1500 Kilometer bis zur feuchten Küstenregion des Indischen Ozeans.

Die Flagge des neuen Südafrika wurde am 27. April 1994 bei den ersten demokratischen Wahlen eingeführt. Viele Vorschläge waren zuvor geprüft worden, bis man sich für das aktuelle Design mit sechs Farben und einem liegenden Ypsilon entschied. Farben und Formen symbolisieren entscheidende Elemente der Landesgeschichte. Das Motto der Flagge ist „Einheit ist Stärke“.  „Nkosi Sikelel‘ iAfrika“ (Gott segne Afrika) ist der Titel der Nationalhymne.

LAND   UND   LEUTE

ubuNtu

Menschsein; Mitmenschlichkeit

Umuntu ngumuntu ngabantu

Der Mensch ist Mensch durch/mit Menschen.“

|

Ich bin, weil wir sind; da wir sind, bin ich.

ubuNtu

Landessprachen

elf Amtssprachen: Afrikaans, English, isiNdebele, sePedi, seSotho, seTswana, siSwati, TshiVenda, isiXhosa, isiZulu und xiTsonga.

Von diesen insgesamt 11 Amtssprachen Südafrikas ist isiZulu die am meisten gesprochene. Siehe folgende bevölkerungsstatistische Größenordnung: isiZulu 23,8 %; isiXhosa 17,6 %; Afrikaans 13,3 %; Sesotho sa Leboa 9,4 %; English 8,2 %; seTswana 8,2 %; seSotho 7,9 %; xiTsonga 4,4 %; siSwati 2,7 %; tshiVenda 2,3 %; isiNdebele 1,6 %; andere 0,5 %. >> SÜDAFRIKA: Gerne mehrsprachig und bewusst vielseitig und b u n t!

 Glaubens- und Religionsgemeinschaften

Christentum (68%), traditionelle afrikanische Religionen und sonstige (28,5%), Islam (2%), Hinduismus (1,5%). [Christliche Konfessionen, Kirchen und kirchliche Einrichtungen – Einzelheiten demnächst!; siehe auch >> Der Südafrikanische Kirchenrat | South African Council of Churches (SACC) ]

Zivilgesellschaft und zivilgesellschaftliches Engagement 

Einzelheiten demnächst!

Ausbildung und Schulen

Eine allgemeine Schulpflicht existiert vom 7. bis zum 16. Lebensjahr. Im Alter von sieben Jahren beginnt die sechs Jahre dauernde Primary Education, anschließend folgen weitere sechs Jahre Secondary Education.

In kaum einem anderen Lebensbereich manifestieren sich die Auswirkungen der Apartheidspolitik so krass wie im Bildungswesen. Besonders gravierend sind die Bildungsunterschiede im Vergleich der schwarzen und der weißen Bevölkerung. [Beispiel: >> Die Schülerinnen Refilwe in Soweto und Marianne in Stellenbosch lernen in Mathematik und Biologie inzwischen zwar dieselben Inhalte, werden eines Tages in der Abschlussprüfung aber mit Sicherheit verschieden abschneiden, denn die Lernbedingungen in den Schulen ihrer jeweiligen Wohnorten unterscheiden sich fast wie zu Schulzeiten ihrer Eltern und Großeltern vor der formellen Abschaffung der Apartheid. Kann Marianne nach wie vor zu Fuß zur Schule in ihrem Wohnviertel gehen oder dorthin mit dem Auto gebracht werden um dort in der Sprache zu lernen, die sie zu Hause als ihre erste (oder einzige) spricht und versteht, nämlich Englisch oder Afrikaans, ist Refilwe täglich mit dem Sammeltaxi oder einer zufälligen Mitfahrgelegenheit oder zu Fuß lange unterwegs, wenn sie nicht wie viele aus ihrer Nachbarschaft sich einfach mit der schlechter ausgestatteten Schule im Township abfinden will. … In Mariannes Schule käme zudem niemand auf die Idee, lieber in einem Township zur Schule zu gehen; dazu ist das Gefälle in der Ausstattung und in der Lehrqualität immer noch zu krass. Vgl. 20 Jahre Demokratie – Südafrika : 1994-2014 ].

Schulformen und Schularten [öffentliche allgemeinbildende Schulen, Privatschulen; fach- und berufsbildende Schulen; …]; Fachhochschulen und Universitäten [Entwicklungstrends: Studierende, Forschende und Lehrende; öffentliche Förderung; inner-afrikanische und internationale Vernetzung und Austausch]  – Einzelheiten demnächst!
Staatsform

demokratischer Rechtstaat | Republik

Wahlrecht

wahlberechtigt sind alle Staatsangehörige ab 18 Jahren; Verhältniswahlrecht

 „Ich habe gegen die weiße Vorherrschaft gekämpft und ich habe gegen die schwarze Vorherrschaft gekämpft. Mein teuerstes Ideal ist eine freie und demokratische Gesellschaft, in der alle in Harmonie mit gleichen Chancen leben können. Ich hoffe, lange genug zu leben, um dies zu erreichen. Doch, wenn es so sein sollte, ist dies ein Ideal, für das ich bereit bin, zu sterben.” – Nelson Rolihlahla Mandela 1964.

Exekutive [Stand: 2015]

Staatsoberhaupt: Präsident Jacob Gedleyihlekisa Zuma (African National Congress, ANC); Vizepräsident Cyril Ramaphosa (African National Congress, ANC);

Wahlen: Präsident/Präsidentin wird alle fünf Jahre [> Parlamentswahlen] von der Nationalversammlung gewählt; Regierungschef: Präsident Jacob Gedleyihlekisa Zuma (ANC); Stellvertretender Regierungschef Vizepräsident Cyril Ramaphosa (ANC); Kabinett: Ernennung durch den Präsidenten.

Legislative

Parlament: Zweikammerparlament bestehend aus Nationalversammlung (400 Sitze, alle fünf Jahre gewählt) und Nationalrat der Provinzen (90 Sitze, je 10 von den neun Provinzparlamenten gewählt).

Parteien

African Christian Democratic Party (ACDP); African Independent Congress (AIC); African National Congress (ANC; Regierungspartei); Agang SA; African People’s Convention (APC); Congress of the People (COPE); Democratic Alliance (DA); Economic Freedom Fighters (EFF); Freedom Front/Vryheidsfront Plus (FF+); Independent Democrats (ID); Inkatha Freedom Party (IFP); National Freedom Party (NFP); New National Party (NNP); Pan Africanist Congress of Azania (PAC); United Democratic Movement (UDM); South African Communist Party (SACP) …

Wahlergebnisse 2014 (landesweit)

African National Congress (ANC) 62.15% (249 Sitze); Democratic Alliance (DA) 22.23% (89 Sitze); Economic Freedom Fighters (EFF) 6.35% (25 Sitze); Inkatha Freedom Party (IFP) 2.4%; National Freedom Party (NFP) 1.57%; United Democratic Movement (UDM) 1%; Freedom Front/Vryheidsfront Plus (FF) 0.57%; Congress of the People (Cope) 0.67%; Agang SA 0.28%;

Ergebnisse der Provinzwahlen (2014)

Ostkap: 45 Sitze für den ANC, 10 für die DA, 4 für die UDM; Freistaat: 22 Sitze für den ANC, 5 für die DA, 2 für die EFF; Gauteng: 40 Sitze für den ANC, für die DA 23, 8 für die EFF; KwaZulu-Natal 52 Sitze für den ANC, 10 für die DA, 9 für die IFP; Limpopo 39 für den ANC, 6 für die EFF, 3 für die DA, einen Sitz für COPE; Mpumalanga 24 für den ANC, 3 für die DA und 2 für die EFF; Nordwestprovinz 23 Sitze für den ANC, 5 für EFF, 4 für die DA; Nordkap 20 Sitze für den ANC, 7 für die DA und 2 für die EFF; Westkap 26 Sitze für die DA, der ANC 14 und die EFF einen Sitz.

Wahlbeteiligung – Schwankungen und Trends [1994 – 1999 – 2004 – 2009 – 2014]:

1994: Von den 23 063 910 registrierten Wahlberechtigten nahm 85,53% (19 726 610) an der Wahl teil; die verbleibende 14,47% (3 337 300) blieb der Wahl fern. Der ANC erhielt somit die Stimmen von insgesamt 53,01% (12 237 655) aller Wahlberechtigten – 62,65% aller abgegebenen Stimmen.

1999: Von den 25 411 573 registrierten Wahlberechtigten nahm 62,87% (15 977 142) an der Wahl teil; die verbleibende 37,13% (9 434 431) blieb der Wahl fern. Der ANC erhielt somit die Stimmen von insgesamt 41,72% (10 601 330) aller Wahlberechtigten – 66,35% aller abgegebenen Stimmen.

2004: Von den 27 994 712 registrierten Wahlberechtigten nahm 55,77% (15 612 671) an der Wahl teil; die verbleibende 44,23% (12 382 041) blieb der Wahl fern. Der ANC erhielt somit die Stimmen von insgesamt 38,87% (10 880 917) aller Wahlberechtigten – 69,69% aller abgegebenen Stimmen.

2009: Von den 30 224 145 registrierten Wahlberechtigten nahm 59,29% (17 919 966) an der Wahl teil; die verbleibende 40,71% (12 304 179) blieb der Wahl fern. Der ANC erhielt somit die Stimmen von insgesamt 38,55% (11 650 748) aller Wahlberechtigten – 65,90% aller abgegebenen Stimmen.

2014: Von den 31 434 035 registrierten Wahlberechtigten nahm 59,34% (18 654 457) an der Wahl teil; die verbleibende 40,66% (12 779 578) blieb der Wahl fern. Der ANC erhielt somit die Stimmen von insgesamt 36,39% (11 436 921) aller Wahlberechtigten – 62.15% aller abgegebenen Stimmen.

Rechtssystem

basiert auf römisch-niederländischem und englischem Recht

Verwaltungsgliederung

neun Provinzen: Ostkap, Free State, Gauteng, KwaZulu-Natal, Limpopo, Mpumalanga, Nord-West, Nordkap, Westkap. (siehe auch etwas weiter unten >> DIE  PROVINZEN)

Demokratisierungsprozess: Grad der Akzeptanz

72% der Bürgerinnen und Bürger Südafrikas bejahen die Demokratie im Allgemeinen und 60% akzeptieren den demokratischen Rechtstaat im eigenen Land. (zum Vergleich: in Botswana 82%|70%; in Namibia 64%|67%; in Ghana 82|74%] (Quelle: Afrobarometer 2014, www.afrobarometer.org )

Internationale Mitgliedschaften

Vereinte Nationen (UN) und Unterorganisationen; Afrikanische Union (AU); Entwicklungsgemeinschaft Südlichen Afrikas (SADC); Handelsgemeinschaft COMESA; Afrika-Karibik-Pazifik-Staaten (AKP); G 20; BRICS (Vereinigung von aufstrebenden Volkswirtschaften: Brasil, Russland, Indien, China und Südafrika); Welthandelsorganisation (WTO); Internationaler Währungsfond (IMF); Weltbank …

Internationale Länderkategorien

kein LDC-Status (7 der 14 SADC-Staaten gelten nach UN-Bestimmungen als Least Developed Countries – “am wenigsten entwickelte Länder” – und bekommen besondere Mittelzuwendungen)

Land und Leute – Wohlergehen und Perspektiven: Bestandsaufnahme [2014]

      eine Beobachtung dazu >> 20 Jahre Demokratie – Südafrika : 1994-2014 ; >> Ernüchternd

siehe auch >> … bestürzt und entsetzt!

GROSSLANDSCHAFTEN

Südafrika zeigt im Vergleich zu anderen Ländern des afrikanischen Kontinents einen verhältnismäßig einfachen geologischen Aufbau. Man unterscheidet das Zentralplateau (Highveld), die große Randstrufe (Great Escarpment) und das Küstenvorland (Lowveld).

Die Zentralplateau besteht aus Gesteinsmaterial, das von den Randgebirgen in das Hochland gedrängt wurde. Es liegt mitsamt seiner Millionenmetropole Johannesburg (1753 Meter) auf einer Höhe von 900 bis 2000 Metern. Der südafrikanische Teil des Plateaus umfasst auch Teile der Kalahari-Wüste, ein riesiges abflussloses Becken, das sich bis nach Botswana und Namibia erstreckt.

Die große Randstufe ist der Übergang vom schmalen und mit eienr Breite von 20 bis 250 Kilometern im Verhältnis zur Gesamtfläche Südafrikas sehr kleinen Küstenvorland zum Hochplateau. Das Küstenvorland befindet sich hauptsächlich am Indischen Ozean und nur zu einem kleinen Teil am Atlantik.

GEOLOGISCHE   ENTWICKLUNG

Südafrika erfreut sich aufgrund sehr unterschiedlicher Niederschlagsmengen und –frequenz sowie seiner geomorphologischen Gestaltung einer großen landschaftlihen Vielfalt. Regen und Erdfaltungen haben dazu geführt, dass es trockene Hochländer, feuchte Küsten mitzum Teil verlandeten Lagugen und Seen, feuchte Wiesenlandschaften sowie steil aufragende Bergformationen gibt.

Ein Großteil der Landmasse Südafrikas ist sehr alt. Insgemsamt besteht das Land aus 22 unterschiedlichen geologishen Gebieten. Dabei reicht das Alter der Gebirgsmasse vonmerh als drei Milliarden Jahren im Limpopo-Tal und in der Provinz Limpopo im Norden bis hin zu zwei Millionen Jahren in der Kalahari-Region.

Mit diesem Entstehungszeitraum ist Südafrika nicht nur in archäologischer Hinsicht ein überaus bedeutendes Land. In den ältesten geologischen Formationen, wie sie zum Beispiel im Nordosten im Witwatersrand zu find sind, entstanden fossile Goldeinlagerungen. Sie machten das Land in der Vergangenheit zu einem begehrten Ziel für Tausende von Goldsuchern. Bis heute sind diese Bodenschätze das Fundament, auf dem der Wohlstand des Landes basiert. Im Norden Südafrikas werden Eisen und Mangan abgebaut, in der Provinz North-West Platinum und Chrom, Diamanten vor allem in und um Kimberley (Nordkap) herum. Zudem gibt es Kupfer, Zink, Uranium, Kobalt, Nickel – nur einige von insgesamt 60 geförderten Mineralien und Metallen. Nur Öl konnte auf dem Festland nicht gefunden werden.

Im Randschwellengebiet, wie die große Randstufe auch genannt wird, steigt das Land allmählich an und erreicht in den Drakensbergen [oKhahlamba], die sich von Nordosten bis nach Lesotho im Südosten durch das Land ziehen, Höhen von annähernd 3500 Metern. Im Westen (Provinz Nordkap) geht es in den Cederbergen bis auf über 2000 Meter hoch. Besonders beeindruckend ist im Westkap das Aufeinandertreffen des berühmten Tafelbergs (1086 Meter) mit den ihn umgebenden Cape Flats, den ausgedehnten Dünenfeldern, die einzigartige Siloutte der Berge am Rande von Kapstadt besonders herausstreicht.

Zum Küstenvorland gehören der Küstenstreifen von Durban (am Indischen Ozean) Richtung Norden bis zur Grenze nach Mosambik (Provinz KwaZulu-Natal), die Region nordöstlich von Port Elizabeth (Provinz Ostkap) und das Gebiet um das Kap Agulhas (Provinz Westkap), die Südspitze des afrikanischen Kontinents. Hier treffen Atlantik und Indischer Ozean aufeinander und nicht, wie immer wieder angenommen wird, am Kap der Guten Hoffnung, das weiter nordwestlich liegt.

FLÜSSE UND GEWÄSSER

Der längste Fluss ist der 1860 Kilometer lange Gariep (früher: Orange-River). Er entspringt wie die meisten Flüsse Südafrikas in den Drakensbergen [oKhahlamba]. Entgegen der Merhzahl der dort entspringenden Flüsse, die nach Osten fließen und in den Indischen Ozean müänden, bewegt sich der Gariep mit seinem einzigen größeren Nebenfluss, dem Vaal, nach Südwesten und mündet nach der Durchquerung einiger Trockengebiete in den Atlantischen Ozean.

Aufgrund der hohen Niederschlagsmengen in den Drakensbergen führt der Gariep auch in der Trockenzeit im Unterlauf Wasser. In der Regenzeit kann der Fluss hingegen sprungartig anschwillen und führt dann die hundertfache Menge Wasser mit sich. Insgesamt ist das Wasservolumen aller südafrikanischen Flüsse sehr gering und entspricht in der Summe gerade mal dem Volumen des Rheins.

Der andere große Fluss des Hochplateaus ist der Limpopo, der die nördliche und nordwestliche Grenze des Landes zu Zimbabwe und Botswana markiert. Er fällt auf der Höhe der Nordgrenze des Kruger Nationalsparks nach Süden ab und mündet nahe der mosambikanischen Stadt Xai-Cai in den Indischen Ozean.

Weitere Flüsse entspringen an der feuchten Randstufe oder in den Gebirgen der Kapregion. Keiner von ihnen ist jedoch vollständig schiffbar. Historisch wichtige Flüsse sind der Sundays und der Great Fisch – beide waren im 19. Jahrhundert immer wieder Frontlinien bei den blutigen Auseinandersetzungen zwischen Einheimischen und Kolonialmächten.

KLIMA

Südafrika liegt zwischen dem 22. Grad und dem 35. Grad südlicher Breite und gehört zum Klimabereich der Subtropen. Aufgrund von Höhenlage, Meeresnähe und Einfluss unterschiedlicher Meeresströme gibt es starke regionale Klima-Unterschiede. So wartet das Land mit mediterranem und subtropischem Klima an den Küsten bis zu sonnigem und trockenem Klima im Binnenland und sogar Halbwüstenklima in weiten Teilen des Landesinneren auf. Da das Land auf der Südhalbkugel liegt, sind die südafrikansichen Jahreszeiten den europäischen entgegengesetzt.

TEMPERATUREN

Bei den Temperaturen spielt vor allem die Höhenlage eine große Rolle. So liegen die Temperaturen in Johannesburg (1753 Meter) im Winter nachts schon mal unter dem Gefrierpunkt, während sie am Tag wieder auf über 20°C steigen. Sie sind erheblich niedriger als auf den Kanarischen Inseln, die auf einem ähnlichen Breitengrad der Nordhalbkugel liegen. Grundsätzlich gilt: Dort wo das Binnenland am höchsten ist, werden die niedrigsten Temperaturen gemessen. In einigen Regionen der Drakensberge [oKhahlamba] von KwaZulu-Natal und der Cederberge in der Northern Cape schneit es sogar zuweilen.

Aufgrund des Höhenanstiegs von Süd nach Nord nehmen die Temperaturen in dieser Richtung zum Äquator hin nicht zu. So hat Kapstadt eine Jahresdurchschnittstemperatur von 17°C, so wie auch Pretoria in Gauteng, 1460 Kilometer weiter im Norden. Nur im Nordwesten du im absoluten Norden des Landes macht sich die geographische Breite hinsichtlich der Temperatur bemerkbar. Hier ist es erheblich heißer und trockener als im Rest des Landes.

 SONNE

Im Gegensatz zum Wasser mangelt es Südafrika nicht an Sonnenschein. Besonders in den winterlichen Trockenmonaten strahlt die Sonne von einem klaren blauen Himmel. Aber auch in den niederschlagsreichsten Monaten, im Sommer, gibt es zumeist nur kurze, kräftige Regenschauer. Die Küsten am Kap weisen mehr Sonnenstunden auf als zum Beispiel das Urlaubsparadies Bahamas.

NIEDERSCHLÄGE

Im Durchschnitt fallen jährlich 464 Millimeter Niederschlag. Fast ein Viertel des Landes erhält allerdings weniger als 200 Millimeter Niederschlag im Jahr, wobei 500 Millimeter als Minimum für die landwirtschaftliche Bearbeitung ohne zusätzliche Bewässerung gelten. Land anhaltende Dürreperioden gibt es im ganzen Land. Die Versorgung Südafrikas mit Trinkwasser ist schlect. Als Gründe gelten ungewöhnlich hohe Verdunstung des Gesamtniederschlags und sandige Böden – besonders in der Kalahari-Wüste und im Sandveld an der Westküste.

SÜSSWASSER

Das Grundwasser deckt nur zehn Prozent des Wasserbedarfs, da es nur wenig artesische Quellen gibt und Bohrungen im Landesinneren keine ausreichenden Ergebnisse bringen. Zudem sind von eigenen Quellen gespeiste Süßwasserseen absolute Mangelware. Die zahlreichen Lagunen bzw. seichten, breiten Flussbecken, sogenannte „Pans“, sind zum Teil durh Überschwemmungen mit Salzwasser gefüllt. Die größte Pan ist der 40 mal 64 Kilometer große Groot Vloer in der Northern Cape. Alle andere Seen in Südafrika sind Stauseen.

VEGETATION

Die Pflanzenwelt Südafrikas ist mit ihren über 22 Pflanzenarten sehr vielfältig und meist von besonderer Schönheit. Allerdings hat sie sich im Laufe der Jahrhunderte vor allem durch die Besiedlung europäischer Einwanderer und das stetige Vordringen von Acker- und Weideland erheblich verändert. Nichtsdestotrotz lassen sich Hauptvegetationsgruppen unterscheiden: Wüste und Halbwüste, mediterranes Gebiet, Buschlandschaft, gemäßigtes Binnenhochland, vereinzelte Waldgebiete und die sandige Westküste.

WALD

Die Waldfläche beträgt 2,6 Millionen Hektar und macht gerade mal ein Prozent des südafrikanischen Staatsgebietes aus (im Vergleich: Deutschland fünf Prozent, Kanada 27 Prozent). Typische südafrikanische Hölzer in den Feuchtwäldern des Western Cape sind Yellowwood, Ironwood, Kiaat und Stinkwood. Kleine Küsten- sowie Magrovenwälder gibt es im Norden der Wild Coast und in den feuchtwarmen Küstenstreifen von KwaZulu-Natal. Ansonsten findet man nur in den oberen Teilen von Engtälern der großen Randstufe noch natürlichen, geschlossenen Baumbestand.

Besonders schön sind die Galeriewälder (zum Beispiel Schirmakazien, Sukkulenten, Weiß- und Kameldorn) in den Flusslandschaften der Trockensavanne. Trockenwald aus Mopane- und den markanten Affenbrotbäumen (Baobabs) existiert im absoluten Norden der Limpopo-Provinz, wo es nur sehr geringe Niederschläge gibt. Andere größere Waldflächen bestehen aus Aufforstungen für die Holzwirtschaft (Kiefernarten, Eukalyptus).

FAUNA

Die Liste der in Südafrika beheimateten Tiere ist lang: Mehr als 300 Säugetier-, ca. 550 Vogel- und über 100 Reptilienarten sind hier ebenso zu finden wie unzählige Insektenspezies. Darüber hinaus liest sich die Liste heimischer Tiere wie eine Ansammlung von Superlativen: Mit den afrikanischen Elefanten, Nashörnern, Flusspferden und Giraffen leben die größten Landsäugetiere und mit dem Geparden das schnellste Tier in dem Land.

Um die Vernichtung des gesamten Wildbestandes (Löwen, Büffel, Elefanten, Nashörner, Giraffen, Impalas, Hartebeests, Wildebeests/Kudus, Springbocks, Zebras, Strauße, Nilgänse, Kraniche, Kuhreiher, Webervögel, Schildkröte, Krokodiele, Chamäleons, Schlangen etc.) in Südafrika zu verhindern, wurden bereits ab dem 19. Jahrhundert Nationalparks und Wildreservate gegründet, die in der Savanne oder gar Halbwüste liegen.

1926 ließ Präsident Paul Kruger den nach ihm benannten Kruger Nationalpark im subtropischen Lowveld (200-800 Meter) in den heutigen Provinzen Mpumalanga und Limpopo an der Grenze zu Mosambik errichten. Heute ist der größte Nationalpark Südafrikas zusammen mit dem Limpopo National Park (Mosambik) und dem Gonarezhou Park (Zimbabwe) Teil eins Transfrontierparks, der größer als Belgien ist. Allein auf südafrikanischer Seite leben über eine Million Tiere.

WIRTSCHAFT

Die Republik Südafrika ist ein Schwellenland, in dem nach wie vor die Wirtschaft von dem weißen Bevölkerungsanteil, der früher von der Apartheid generell bevorrechtigt wurde, beherrscht wird. Während sich vor allem die ländlichen Gebiete der ehemaligen Homelands mit ihrer schwarzen Bevölkerungsmehrheit, die früher von der Apartheid generell benachteiligt wurde, auf Entwicklungslandniveau befindet, lebt eine recht große Gruppe von Wohlhabenden – überwiegend Weiße, in letzter Zeit aber auch vermehrt Schwarze – zumeist in exklusiven Vierteln der Großstädte in luxuriösen Verhältnissen. Im weltweiten Vergleich liegt das Land am Kap in Bezug auf die Einkommensunterschiede gleich hinter Brasilien.

Insgesamt besitzt Südafrika seit Erlangung der Demokratie [1994] eine stabile und wachstumsorientierte Wirtschaft. Mit einem dreimal höheren Bruttoinlandsprodukt (BIP) als Ägypten und Nigeria verfügt das Land über die fortschrittlichste Wirtschaft des afrikanischen Kontinents. Den größten Sektor nehmen dabei die Dienstleistungen mit rund 60 Prozent des BIP ein (inklusive Bank- und Versicherungswesen, Handel und Gewerbe). Dahinter folgen die verarbeitende Industrie mit gut 27 Prozent, dann der Bergbau mit neun Prozent und die Landwirtschaft mit vier Prozent.

BODENSCHÄTZE

Zum größten Teil basiert der Reichtum Südafrikas auf den Bodenschätzen des Landes (Gold, Diamanten, Kohle, Platin, Chrom, Eisenerz). Bei den Ausfuhren dominieren Edelmetalle, Erze und Mineralien noch immer mit mehr als 40 Prozent der Exporterlöse, wobei dieser Anteil zugunsten verarbeiteter Rohstoffe und industrieller Fertigwaren stetig zurückgeht. [siehe etwas weiter unten:  DIE PROVINZEN – Nordwest/North-West;  siehe auch: MARIKANA und MARIKANA: Lesetipp].

ERWERBSLOSIGKEIT

Die Arbeitslosenquote beträgt in Südafrika amtlichen Angaben zufolge ca. 25 Prozent. Der schwarze Bevölkerungsanteil und insbesondere diejenigen, die in ehemaligen Townships und ehemaligen Homelands leben, sind deutlich stärker von Erwerbslosigkeit betroffen. Die Quote liegt nicht selten bei 50-60 Prozent. Das Regierungsprojekt „Black Economic Empowerment“ soll die wirtschaftliche Förderung der schwarzen Mehrheitsbevölkerung, die früher von der Apartheid generell benachteiligt worden war, gezielt begünstigen, Haushaltsmittel sind jedoch knapp. Der wirtschaftliche Einfluss des weißen Bevölkerungsanteils, der früher von der Apartheid generell bevorrechtigt worden war, ist bei einem Anteil am Steueraufkommen von fast 85 Prozent nach wie vor sehr groß. Obwohl das Wirtschaftswachstum Ende des vergangenen Jahrhunderts zunahm, steigt die Arbeitslosigkeit unter den Schwarzen weiterhin.

HIV/AIDS  UND  KRIMINALITÄT

Die größten Probleme Südafrikas bestehen zu Beginn des 21. Jahrhunderts neben einem relativ niedrigen Wachstum und geringen Auslandsinvestitionen vor allem in der überaus großen Arbeitslosigkeit, Kriminalität und einer enorm hohen Rate von AIDS/HIV-infizierten Menschen. Und hinsichtlich des letzten Aspekts sind die Prognosen für die Zukunft äußerst schlecht: Das Lebenszeit-Risiko der heute 15-Jährigen, sich mit dem HI-Virus zu infizieren, beträgt 60 Prozent!

Schon jetzt zeigt die AIDS-Epidemie dramatische demographische Folgen: So sank beispielsweise die Lebenserwartung seit 1990 von 65 Jahren auf 43 Jahre. Darüber hinaus stellt die Versorgung von Millionen AIDS-Waisen eine enorme Herausforderung dar. Als Kinder leiden sie unter Ausgrenzung, Armut und Hunger, später haben sie als mittelose Erwerbssuchende ä meist ohne nennenswerte Ausbildung – auf dem hart umkämpften Arbeitsmarkt kaum eine Chance und bilden somit ein erhebliches kriminelles Potenzial.

Dabei hängt die Investitionsbereitschaft vieler Unternehmen von der Kriminalitätsrate ab. Der Staat gibt bereits erhebliche Summen des öffentlichen Haushalts für die innere Sicherheit aus. In vielen Bereichen konnten Erfolge erzielt werden; in den Innenstädten von Kapstadt und selbst von Johannesburg kann man sich in der Woche tagsüber wieder frei auf den Straßen bewegen. Allerdings fehlen die Mittel für dringend notwendige Umstrukturierungsmaßnahmen von Polizei, Justiz und Strafvollzug oder für eine bessere Bezahlung der Polizisten und Polizistinnen.

EINIGE  [WEITERE]  ECKDATEN  ZUR  WIRTSCHAFT

Währung

1 Rand (ZAR) = 100 Cents

Wechselkurs

1 ZAR = 0.0691 €; 1 € = 14.4648 ZAR (12.06.2014)

Export / Importgüter

– Wichtige Exportgüter Gold, Diamanten, Platin, Kohle, andere Mineralien und Metalle, Maschinen und Ausstattung.

– Wichtige Importgüter Maschinen, Nahrungsmittel und Ausstattung, Chemikalien, Petroleum, wissenschaftliche Instrumente.

Wichtige Handelspartner

– Export EU (33%), USA (20%), Japan (6%), Mosambik (2,5%)

– Import EU (41%), USA (11,4%), Saudi Arabien (7,3%), Japan (7%)

Infrastruktur

– Eisenbahn 20.384 km

– Straßen 358.596 km (davon 59.753 km geteert)

– Flugplätze 740 (davon 143 mit befestigten Start- und Landebahnen)

– Häfen Kapstadt, Durban, East London, Mossel Bay, Port Elisabeth, Richards Bay, Saldanha

– Übersicht: Lebensverhältnisse – städtisch/ländlich; männlich/weiblich

Mehr als Zweidrittel (67,9%) aller Haushalte leben in städtischen Gebieten; im Allgemeinen, mehr als einer von fünf (21,2%) Erwachsenen leben unterhalb des Existenzminimums, ein Drittel (32,3%) leben unterhalb des herabsteigenden Existenzminimums und etwas weniger als die Hälfte (45,1%) leben unterhalb des steigenden Existenzminimums. In allen 9 Provinzen sind eher Frauen als Männer arm. (Quelle: Statistics South Africa. Men, women and children: findings on the living-conditions survey, 2013, Seiten 9 – 15).

aktuelle Themen, Streit- und Kritikpunkte in  Auswahl [2014|2015]

–   Kommunale Rechnungsprüfung

Die kommunale Rechnungsprüfung für das Finanzjahr 2012-2013 ergab, dass nur neun Prozent der 319 untersuchten Gemeindeberichte in Südafrika korrekt waren. Kimi Makwetu, der oberste Rechnungsprüfer, lobte Ende Juli 2014 insbesondere die Buchführung von Gemeinden in den Provinzen Western Cape und KwaZulu-Natal. Insgesamt stieg die Zahl der Gemeinden, in denen die Dokumentation der Einnahmen und Ausgaben korrekt war, gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent. 41 Prozent der Gemeinden wurde eine weitgehend korrekte Berichterstattung attestiert, die laut Makwetu allerdings noch in Teilbereichen fehlerhaft war. Bereits im Februar 2014 hatte er auf Verluste durch die verbreitete Korruption hingewiesen.

In einem Viertel der Gemeinden war nun die Dokumentation der Finanzen teilweise unzuverlässig, das betraf beispielsweise die Transparenz bei öffentlichen Ausschreibungen. In achtzehn Prozent der Gemeinden wurden gravierende Defizite in der gesamten Haushaltsführung festgestellt. Mangelnde Kontrollen führten vor allem auf der Ausgabenseite zu großen Problemen, demnach waren 11,6 Mrd. Rand an Ausgaben nicht korrekt dokumentiert, die somit für kommunale Dienstleistungen fehlten.          Quelle: afrika süd 4|2015 Seite 4-5

–   Neuregelung für Landrückgabe

Präsident Jacob Zuma unterzeichnete am 30. Juni 2014 einen Zusatz zum Landgesetz, das die Landrückgabe regelt. Demnach sollen Antragsteller bis zum 30. Juni 2019 die Möglichkeit haben, ihre Ansprüche rechtlich geltend zu machen. Das betrifft Menschen, die während der Apartheid zwangsumgesiedelt wurden. Nur eine Minderheit hatte bis zum ersten Fristende 1998 einen Antrag gestellt. Bislang wurde erst ein Teil juristisch geklärt.

Gleichzeitig sorgen neue Landreformpläne des Ministers für Landreform Gugile Nkwinti für Diskussionen. Sie waren erstmals im Februar 2014 bekannt geworden. Nun werden sie vor allem von der oppositionellen Democratic Alliance (DA) kritisiert. Streitpunkt ist eine stärkere Einbeziehung der Landarbeiter in den Farmbesitz. DA-Vertreter sehen im neuen Model einen Widerspruch zum Nationalen Entwicklungsplan. Repräsentanten der Farmbesitzer gaben zu bedenken, die neuen Reformpläne seien nicht verfassungsgemäß. Auch einige politische Kolumnisten äußerten sich kritisch zu den Vorschlägen, die sie als inkonsistent einstuften. Zeitungsberichten zufolge gab es selbst im ANC Kritiker, die meinten, die Reformdetails zur Besitzbeteiligung von Farmarbeitern seien nicht auf dem ANC-Parteikongress 2012 in Mangaung abgestimmt worden. Quelle: afrika süd 4|2015 Seite 5

–  Auszeichnung für Ombudsfrau Thuli Madonsela

Südafrikas Ombudsfrau Thuli Madonsela erhielt den diesjährigen [2014] Integritätspreis von Transparency International. Damit wird ihr Kampf gegen Korruption und für die Integrität ihres Amtes gewürdigt. Ihr bekanntester Fall war der so genannte Nkandla-Skandal um Baukosten für Präsident Zumas Privatresidenz. Presseberichten zufolge unterstrich Thuli Madonsela, dass Südafrika gewillt sei, die Korruption und andere Probleme zu bewältigen, die gegen gute Regierungsführung und Rechtsstaatlichkeit verstoßen. Südafrika habe die notwendigen Gesetze und Institutionen dazu. Die Überwindung der Korruption sei ein Schritt zu sozialer Gerechtigkeit und nachhaltigem Frieden.

Gleichzeitig dauern in Südafrika die Auseinandersetzungen über die Rückzahlung der Gelder und den Zugang zu Dokumenten im Zusammenhang mit dem Nkandla-Erweiterungsbau an. Verschiedene Medien und Medienorganisationen kritisieren die Geheimhaltung durch verantwortliche Regierungsstellen. Sieordnen dieses Verhalten in Tendenzen und Gesetzesvorhaben zur Beschränkung der Transparenz, Informations- und Pressefreiheit ein.

Anlässlich des Jahrestages, der an Medienverbote und Verhaftungen regimekritischer Journalisten am 19. Oktober 1977 erinnerte, protestierten zivilgesellschaftliche Organisationen gegen die aktuellen Beschränkungen. Sie forderten Präsident Zuma auf, den Protection of State Information Bill (Secrecy Bill) nicht zu unterzeichnen, da dieser zu sehr an das Informationsgesetz des Apartheidsregimes von 1982 erinnere. Währenddessen kündigte Präsident Zuma an, er werde eine Arbeitsgruppe zum Austausch mit den Medien einsetzen. Quelle: afrika süd 5|2015 Seite 5

DIE  PROVINZEN

WESTKAP [WESTERN CAPE]

Das Gebiet der Western Cape reicht von Kapstadt im Südwesten bis zur Plettenberg Bay im Osten und fast bis nach Garies im Norden. Dominiert wird die Provinz vonder europäisch-geprägten Metropole Kapstadt, dem berühmten Tafelberg, der Kaphalbinsel mitihrem Nationlpark und dem Kap der Guten Hoffnung und nicht zuletzt der Kapstadt vorgelagerten Insel Robben Island, auf der Nelson Mandela fast 18 Jahre seines Lebens inhalftiert war Kilometerlange und breite Sandstrände, berühmte Weinanbaugebiete, idyllische Landshcaften und eine ausgezeichnete touristische Infrastruktur an der Garden Route sowie gute Walbeobachtungsmöglichkeiten in unmittelbarer Küstennähe machen darüber hinaus die Provinz zum Touristenziel Nr 1 in Südafrika.

OSTKAP [EASTERN CAPE]

Die Eastern Cape besteht aus den unter der Apartheid so deklarierten ehemaligen Zwangsumsiedlungsgebiete für die schwarze Mehrheitsbevölkerung, den Homelands Transkei und Ciskei. Abwanderung der Bevölkerung und Armut sind in der weitgehend unerschlossenen Region die Hauptprobleme. Vier Vegetationstypen – subtropische Wälder, Fynbos-Vegetation, Graslandschaften und Dornbuschsavanne – treffen in der Eastern Cape aufeinander. Zu erleben sind immergrüner Waldbestand vor allem im Tsitsikama-Nationalpark ganz im Süden der Provinz und wunderschöne breite Sandstrände um Port Elizabeth. An der Wild Coast am Indischen Ozean hingegen dominieren stürmiosche See, zerklüftete Felsnküste und einsame Sandstrände sowie die endlose sanft gewellte Hügellandschaft,die sogenannten „rolling hills“, mit unzähligen Dörfern im einheimischen Xhosa-Baustil im Hinterland  um Grahamstown und Mthatha.

NORDKAP [NORTHERN CAPE]

Die Northern Cape ist mit einem Drittel des gesamten Staatsgebietes die größte und zugleich die am dünnsten besiedelte Provinz Südafrikas. An den Ufern des Gariep (ehemals Orange River) wurden 1866 Diamanten gefunden – Anlass zur Gründung der Stadt Kimberley ganz im Osten der Provinz. Heute ist die Stadt vor allem wegen des riesigen Erdlochs bekannt: Hier wurde einst unter britischer Herrschaft nach Diamanten gegraben. Die roten, trockenen und staubigen Sandwüsten der Kalahari ziehen sich bis zum weithin unpassierbaren Richtersveld und der trockenen und schroffen Küstenregion. Durchschnittlich kann man hier Temperaturen von 33°C erleben, aber auch bis zu 50°C sind möglich.

FREISTAAT [FREE  STATE]

Die Provinz Free State liegt im Landesinneren zwischen den Flüssen Gariep (ehemals Orange River) und Vaal [iGwa], die historisch eine große Bedeutung hatten. Einst hieß die ehemalige Burenrepublik Oranje-Vrystaat und war eine Hochburg der Apartheid. Nach der Umstrukturierung des Landes behielt die Provinz beinahe vollständig ihre `alten´ Grenzen aus der Kolonial- und Apartheidzeit, lediglich ein Teilstück der ehemaligen Zwangsumsiedlungsgebiete für Schwarze, der Homelands Bophuthatswana und Qwa-Qwa wurden in dieses Gebiet integriert.   Die Provinz ist geprägt durchLand- und Viehwirtschaft, verfügt aber auch über große bergbauliche Ressourcen. In und um Welkom liegen bedeutende Goldminen. Im Osten ragen die bizarren Sandsteinformationen der Rooigergs in den Himmel, der Westen erscheint mit seinen hägeligen Weideflächen eher karg – die Kornkammer desLandes (Mais und Weizen).

KWAZULU-NATAL [„KZN“]

Die Provinz KwaZulu-Natal, umgangsprachlich einfach „KZN“ genannt, wird beherrscht von der über 3000 Meter hohen Gebirgskette uKhahlamba [die Drakensberge], attraktiven Nationalpark, einer langen, subtropischen Küste, Schlachtfeldern aus der Kolonial- und Apartheidzeit („Battlefields“) und dem hügeligen Landesinneren inklusive KwaDedangendlela, des Tals der Tausend Hügel („The Valley of a Thousand Hills“) und den ehemaligen Zwangsumsiedlungsgebieten für Schwarze, den Homelands, wo die Infrastruktur zumeist noch sehr mangelhaft ist. Die Provinz mit der größten Bevölkerungszahl kämpft vor allem mit dem schnellen Bevölkerungswachstum und einer honen Arbeitslosenzahl. Im Nordwesten der Provinz KwaZulu-Natal am uKhahlamba sowie im Nordosten südlich der uBombo-Bergkette liegen die schönen Nationalparks iMfolozi, Hluhluwe, Mkhuze, die 400 Kilometer langen Küsten bieten mit ihren traumhaften Sandstränden und dem warmen Wasser des Indischen Ozeans das ganze Jahr über fantastische Bademöglichkeiten. Die internationale Surfer-Gemeinde findet sich insbesondere um die Stadt Durban ein.

MPUMALANGA

Die Provinz Mpumalanga gehört neben der Western Cape zu den touristisch am meisten besuchten Regionen. Hier liegt das Lowveld mit großen Teilen des weltberühmten Kruger Nationalparks, dem Blyde River Canyon und einer atemberaubenden Bergwelt mit Panoramastraßen. Ferner finden sich weitläufige Zitrusfruchtplantagen um die Provinzhauptstadt Mbombela und großzügige Forstgebiete in der Gegend von Sabie mit ihren zahlreichen Wasserfällen. Das heutige Mpumalanga umfast die ehemaligen Zwangsumsiedlungsgebiete für Schwarze aus der Kolonial- und  Apartheidzeit, die Homelands KaNgwane, KwaNdebele und kleine Teile von Bophuthatswna. Die Vorfahren der Buren, die Voortrekker, erreichten die Gegend auf Ochsenwagen; etliche ließen sich nieder und eigneten sich große Länderein an.  Die Gebiete um die heutige Gold Reef City sind Anziehungspunkte für Goldgräber und Schatzsucher gewesen.

GAUTENG

Die flächenmäßig kleinste Provinz Gauteng (umgangsprachlich auch „eGoli“, „Platz des Goldes“, genannt) hat die höchste Bevölkerungsdichte und den größten Anteil am Gesamtbruttosozialprodukt. Die im Binnenhochland Südafrikas liegende Region mit der Hauptstadt Pretoria, dem Regierungssitz und Verwaltungszentrum des Landes, ist wirtschaftlich und infrastrukturell dieam weitesten entwickelte. 50 Kilometer weiter südlich liegt Soweto [„South-Western Townships“], die Zwillingsstadt von Johannesburg, die in der Kolonial- und Apartheidzeit als Auffangbecken und Schlafstätte der Arbeitskräfte und deren Angehörige, die als Schwarze im Bergbau, im Haushalt, in der Industrie in und um Johannesburg arbeiten, jedoch sonst nirgendwo wohnen durften.  Der Aufstand der Schülerinnen und Schüler gegen die Apartheid, der Soweto-Aufstand 1976, nahm hier ihren Lauf. Die größten Goldlagerstätten Südafrikas haben die Provinz zur reichsten des Landes und zu einem der wichtigsten Industrie- und Finanzzentren in der südlichen Hemisphäre gemacht. Die Entdeckung der Diamanten- und Goldvorkommen (1877 und 1899) löste mehrere Kriege vor allem zwischen den Britten und den Buren.

NORDWEST [NORTH WEST]

Die Provinz North-West ist überwiegend ein sehr trockenes Gebiet, in dem nur eine extensive Landwirtschaft betrieben werden kann. Die Sommer sind sehr heiß und trocken, im Winter kann es hingegen nachts unter null Grad kalt werden. Hier wird vor allem Platin gefördert, insgesamt 50 Prozent der gesamten Platinmenge der Erde. Eine folgenschwere Gewaltakt erhitzt die Gemüter und lässt Politik und Bergwerkindustrie je länger je mehr im Zwillicht bleiben:   Das Massaker von Marikana 2012, bei dem am 16. August 2012 die Polizei mit scharfer Munition auf streikende Arbeiter des Platinbergwerks Lonmin bei Rustenberg schoss, die für einen höheren Arbeitslohn demonstrierte, bei dem 34 Arbeiter getötet, 78 schwer verletzt und 268 festgenommen wurden, hinterlies Waisen, Witwen und Verletzte und gab Anlass zu einer Untersuchungskommission, deren Bericht weit über Südafrika hinaus mit Spannung erwartet wird. [siehe: MARIKANA und MARIKANA: Lesetipp ].  Umgeben von dieser kargen Savannenlandschaft liegt „Sun City“, der größte Vergnügungskompolex auf der südlciehn Erdhalbkugel mit zahlreichen Casinos, Hotels und unterhaltungsshows.  In der Provinz North-West lassen sich – wie u.a. am oKhahlamba in KwaZulu-Natal –  noch Felsenmalereien der Ureinwohner und Ureinwohnerinnen, der San, finden.

LIMPOPO

Die Provinz Limpopo mitder Hauptstadt Polokwane umfasst neben Savanna auch subtropische Gebiete und lässt sich geographisch in drei Teile gliedern: den Norden mit sehr trockenem Gebiet und uralten Affenbrotbäumen [Baobab], die Buschlandschaft, wo Landwirtschaft betreiben wird und mehr und mehr Jagdfarmen entstehen, sowie die fruchtbaren Hänge der Soutpansberge mit hohen Niederschlagsmengen und subtrophischen Feuchtwaldgebieten. Hier kann es im Sommer schwül und drückend werden. Bekannt ist die Provinz für Mythen der Venda, die von verzauberten Plätzen und einem Heiligen See und Wald handeln. Obwohl im Norden der Kruger Nationalpark liegt und die Provinz über Kohle, Gold, Platin- und Kupfergruben verfügt, ist sie überwiegend ärmlich und die Infrastruktur der ehemaligen Zwangsumsiedlungsgebiete für Schwarze aus der Kolonial- und Apartheidzeit, der Homelands Venda, Lebowa und Gazankulu unterentwickelt.

DIE  KOMMUNEN [Municipalities]

Zusammenlegung und Neuordnung von Kommunen – Abbau übernommener Strukturen der Ausgrenzung und Benachteiligung – 

Noch auf der Grundlage überkommener Siedlungskonzepte aus der Kolonial- und Apartheidzeit wurden 1993 im Zuge einer Gebietsreform 843 Kommunen [municipalities] festgelegt. Diese verteilen sich auf die 9 Provinzen [Limpopo, Mpumalanga, Gauteng, Nordwest-Provinz, KwaZulu-Natal, Freistaat, Ostkap, Nordkap, Westkap], die 1994 gebildet wurden.

Nach den Kommunalwahlen 2000 wurde die Zahl der Kommunen [municipalities] durch Zusammenlegung und Neuordnung von 843 auf 284 verringert.

Infolge einer weiteren Korrektur von Kommunalgrenzen 2006 wurde die Zahl der Kommunen [municipalities] von 284 auf 283 herabgesetzt.

Die aktuelle Diskussion darüber, dass die Zahl der Kommunen [municipalities] nach den nächsten Kommunalwahlen 2016 – mittels Zusammenlegung und Neuzuordnung – nun auf 267 herabgesetzt werden möge, lässt erkennen, dass der politische Prozess, lebens- und tragfähige Wohn- und Lebensräume mit rechtsstaatlichen Mitteln zu schaffen, noch voll im Gange ist.

ZUR  GESCHICHTE

Vor- und Frühgeschichte

Vor- und Frühformen des heutigen Menschen lebten vor etwa drei Millionen Jahren im Gebiet des heutigen Südafrika.

  1. 100.000 v. Chr. Knochenfunde lassen darauf schließen, dass der heutige Menschentyp homo sapiens sich in Südafrika niedergelassen hat.
  2. 60.000 – 50.000 v. Chr. In der heutigen Provinz Mpumalanga finden sich aus dieser Zeit früheste Felszeichnungen. Spätere Ablagerungen und Felszeichnungen zeigen, dass das Territorium des heutigen Südafrika seitdem beständig besiedelt wurde.

35.000 Khoisan-Völker beginnen Südafrika zu besiedeln. Sie tradieren die Kunst der Felszeichnungen.

um 1.000 Khoisan-Völker siedeln im gesamten Territorium des heutigen Südafrika. Sie sind Sammler und Jäger. Es erfolgt eine langsame Entwicklung der Technik und Werkzeuge, allerdings ohne Nutzung von Metallen. Die Existenz als Wildbeuter setzt eine äußerst geringe Bevölkerungsdichte und einen mehr oder weniger ausgeprägten Nomadismus voraus. Beides führt zu sehr kleinen sozialen Einheiten.

  1. 400 n. Chr. Bantusprachige Feldbauern der frühen Eisenzeit (Zulu, Xhosa, Tswana, Sotho, Swazi, Pedi, Tsonga, Ndebele, Venda, …) besiedeln dünn und ungleichmäßig das Südliche Afrika. Archäologische Funde zeigen, dass sie wasserreiche Gebiete bevorzugen, wo sie hauptsächlich Jamswurzeln und Sorghum anbauen, Fischfang und Jagd betreiben. Sie unterhalten auch kleine Viehbestände.

um 500 Bantusprachige Bevölkerungsgruppen wandern aus dem Niederfeld der Küste in Täler an den Ausläufern des Hochvelds, dessen Hochland sie als Weideflächen nutzen. Die Viehzucht gewinnt hier an Bedeutung. Das Gehöft wird bei den Viehzucht treibenden Völkern die soziale Einheit, es bildet sich eine enge Verknüpfung von Viehzucht und sozialem Status heraus. Die Ausdehnung der Weidewirtschaft wird für die Entstehung größerer politischer Gemeinwesen bedeutsam. In den Soutpansbergen im Gebiet südlich des Limpopo-Flusses errichten Gruppen Rundhüttendörfer, in deren Mitte Viehpferche liegen. Sie werden für weite Teile Südafrikas typisch. Aus dieser Zeit datieren reich verzierte Tonplastiken, die auf ein hoch entwickeltes Töpferhandwerk schließen lassen.

  1. 980 Die bantusprachigen Bevölkerungsgruppen erreichen den Großen Kei-Fluss im heutigen Ostkap. Von hier aus ziehen sie vorerst nicht weiter, denn Sorghum, ihre Hauptpflanze, ist ein Getreide des Sommerregens und für den Winterregen am südlichen und westlichen Kap nicht geeignet. Die westlichen Gebiete werden weiterhin von Khoisan-Völkern bewohnt.

um 1200 Aus dieser Zeit datieren die ältesten Funde von Goldschmiedearbeiten. Ankunft der Europäer

1488 Der portugiesische Seefahrer Bartholomeus Diaz umrundet das „Kap der Stürme“, das später in „Kap der Guten Hoffnung“ umbenannt wird. Spätere Seefahrer gehen verschiedentlich zwecks Proviantierung entlang der südafrikanischen Küste an Land. Die Küstenbewohner zeigen sich als friedliche Handelspartner. Schiffbrüchige überleben durch die Gastfreundlichkeit der Küstenbewohner.

1652 Jan van Riebeeck landet mit 90 Soldaten an der Kap-Spitze, um eine Versorgungsstation für die holländische Ost-Indische Kompanie zu errichten. Ab 1657 werden nach und nach Besatzungsmitglieder der Versorgungsstation, deren Dienstzeit abgelaufen ist, als „Freibauern“ angesiedelt. Später kommen Einwanderer aus Holland und Niederdeutschland und aus Frankreich flüchtige Hugenotten hinzu.

1659 Das rücksichtslose Verhalten Riebeecks und seiner Truppe führt erstmals zu heftigen Kämpfen mit den anwohnenden Einheimischen.

bis 1750 Die Freibauern rotten die Khoisan-Völker der Kapregion nahezu aus. Sie selbst betreiben eine auf Sklavenhaltung basierende Landwirtschaft.

1779 Bantusprachige Völker und weiße Eindringlinge treffen erstmals aufeinander. Bis 1877 lösen die Expansionsbestrebungen der weißen Siedler neun große Kriege zwischen Schwarzen und Weißen aus.

1795 Während der napoleonischen Kriege überträgt die Ostindische Kompanie die Verwaltung der Kapregion an die britische Krone.

1814 Das Kap wird im Rahmen der europäischen Neuordnung nach den napoleonischen Kriegen als Kolonie formal an die britische Krone abgetreten.

1818 König Shaka kaSenzangakhona wakwaZulu gliedert die Bevölkerungsgruppen zwischen oPhongolo, uMkhuze und iMfolozi in das von ihm durch Eroberungskriege geschaffene kwaZulu-Königreich unter seiner Herrschaft ein und gibt dem neuen Volk eine straff militärische Organisationsstruktur. Seine Expansionskriege lösen in der gesamten Region bis zum Sambesi große Verwüstungen und Völkerwanderungen (iMfecane) aus.

1834 Die britische Regierung verbietet den Sklavenhandel auch in der Kapkolonie.

1835-43 Die sich unterscheidenden Vorgehensweisen der Briten und der (später so genannten) Buren im Hinblick auf die vormals von ihnen Versklavten und auf die Einheimischen überhaupt (herabsetzend genannt „Hottentotten“, „Buschmänner“, „Kaffer“, …) löst den „Großen Treck“ aus: Die Buren versuchen, sich, durch Vordringen ins Landesinnere, dem britischen Einfluss zu entziehen. Der „Große Treck“ wird in der religiös gefärbten Ideologie der Buren mit dem biblischen `Auszug des Volkes Israel aus Ägypten ins verheißene Land´ gleichgesetzt und propagiert.

1838 Die Buren siegen in der Schlacht am eNcome [umbenannt „Bloedrivier“/“Blood River“) über eine Landesschutztruppe des Zulu-Königreichs.

1839-43 Die Buren gründen an der Küste des Indischen Ozeans ihre erste Republik Natalia. Sie besteht vier Jahre, bis sie von Großbritannien annektiert wird.

1852 Die Briten erkennen die Unabhängigkeit der Burenrepublik Transvaal an. Es dauert jedoch bis 1860, ehe die Buren eine innere Einheit erreichen und dort die Südafrikanische Republik gründen. Der Krieg untereinander währt allerdings noch vier Jahre weiter.

1854 Mit dem Oranje-Freistaat entsteht eine weitere Burenrepublik. Im gleichen Jahr wählt die Kapkolonie ihr erstes Parlament.

1872 Die Kapkolonie erhält von Großbritannien eine „autonome Regierung“. Kampf der Briten und Buren um die Herrschaft

1867-86 Gold und Diamantenfunde wecken die Begehrlichkeiten des Briten Cecil Rhodes.

1877 Die Briten annektieren die Republik Transvaal.

1880/81 Im „ersten Burenkrieg“ erobern die Buren Transvaal zurück.

1895 Ein von Cecil Rhodes unterstützter Angriff auf Transvaal schlägt fehl. Rhodes, damals Premierminister des Kaplandes, muss zurücktreten.

1899 Der „zweite Burenkrieg“ (der `Anglo-Boer South African War´) beginnt. Es geht um die Kontrolle über die Gold- und Diamantenfelder. Die meisten gebildeten Schwarzen unterstützen die Briten. Sie erwarten sich von ihnen das Wahlrecht und das Recht auf Freizügigkeit.

1902 In einem `Krieg der verbrannten Erde´ werden die Buren von den Briten geschlagen. Im Frieden von Vereeniging wird der koloniale Status der Burenrepubliken festgelegt und den Buren der Gebrauch ihrer Sprache, des `Afrikaans´, in den Schulen zugestanden. Die Frage des Wahlrechts für `Nicht-Weiße´ wird vertagt und später negativ entschieden.

1906 Die Briten gestehen den Buren eine “selbstverantwortliche” Regierungsform ihrer Republiken zu.

Die Südafrikanische Union

1910 Ohne Mitwirkungsmöglichkeit der (`nichtweißen´) Mehrheitsbevölkerung wird durch Zusammenlegung der zwei britischen Kolonien (Kapprovinz und Natal) und der zwei Burenrepubliken (Transvaal und Oranje-Vrystaat) die Südafrikanische Union gegründet; sie wird als britisches Herrschaftsgebiet Mitglied im Commonwealth. Die Kapprovinz behält vorerst das bis dahin geltende `liberale´ Wahlrecht, nach dem `nichtweiße´ Männer unter bestimmten Bedingungen weiße Vertreter wählen können durften, die Transvaal und der Oranje Freistaat behalten die Praxis des Ausschlusses aller Nichtweißer von politischer Macht bei.

1911 Afrikaner können keine Zeugnisse als ausgebildete Arbeiter mehr erhalten.

1912 Der African National Congress (ANC) wird gegründet. Er versucht vor allem durch Petitionen an die Regierung in London deren mäßigende Einwirkung auf die rassistische Ausschließungspolitik der britisch-burischen südafrikanischen Regierung zu erwirken.

1913 Die Landgesetze verbieten den Bodenerwerb für Afrikaner außerhalb der ihnen zugewiesenen Reservate (7,3% der Fläche Südafrikas). Die Fläche der Reservate wird 1936 auf 13% des Territoriums erweitert. `Weißes Südafrika´ = 92,7 % bzw. 87% der landwirtschaftlich und sonst besseren Flächen der ganzen Weite des Landes.

1914-18 Schwarze Südafrikaner fallen auf europäischen Schlachtfeldern (Erster Weltkrieg).

1914 Ein Gesetz ermöglicht das Verbot “politischer” Versammlungen.

1919 Mit der Industrial and Commercial Workers Union (ICU) gründen die Schwarzen einen eigenen Gewerkschaftsverband. Er löst sich 1930 nach Streitigkeiten über die Mitarbeit von Kommunisten auf.

1921 Die Kommunistische Partei Südafrikas SACP wird gegründet.

1922 Weiße Gewerkschaften rufen ihre Arbeiter zu einem Generalstreik auf. Sie verlangen eine Eingrenzung der Beschäftigung schwarzer Arbeiter in den Bergwerken. Sie bewaffnen sich und übernehmen die Bergwerke. Die “Randrevolte” wird nach vier Tagen von der Armee niedergeschlagen.

1923 Die Trennung von Wohngebieten nach Hautfarbe und ethnischer Zuordnung wird gesetzlich forciert.

1926 Das Recht auf Streik wird für Afrikaner eingeschränkt.

1927 Geschlechtsverkehr zwischen Weißen und `Nichtweißen´ (Europäern und `Nicht-Europäern´) wird verboten.

1936 Die Afrikaner verlieren ihr beschränktes Wahlrecht in der Kap-Provinz. Es werden getrennte Wählerlisten (für Weiße und `Nichtweiße´/ Europäer und `Nicht-Europäer´) eingerichtet.

1939-45 Schwarze Südafrikaner kämpfen im Zweiten Weltkrieg auf Alliierter Seite gegen Faschismus und Diktatur.

1944 Innerhalb des ANC wird die Jugendliga gegründet. Gründer sind u.a. Nelson Mandela, Walter Sisulu und Oliver Tambo. Die Jugendliga setzt sich zur Aufgabe, das allgemeine politische Bewusstsein zu mobilisieren und als “Pressure Group” innerhalb des ANC zu fungieren; beides mit dem Ziel, die nationale Einheit der Afrikaner voranzutreiben, um so den Kampf gegen die weiße Herrschaft effektiver führen zu können.

1946 Massenhafte Streiks afrikanischer Bergarbeiter werden niedergeschlagen. Apartheid

1948 Bei den Parlamentswahlen siegt die Nationale Partei. Sie festigt durch neue Gesetze und Bestimmungen die „Rassentrennung“. Apartheid (= Trennung und ungleiche Behandlung von Menschen in allen Lebensbereichen aufgrund der Hautfarbe und der ethnischen Zuordnung) wird gesetzlich verankert.

1949 Die Eheschließung zwischen und das Zusammenleben von Weißen und Nichtweißen (Europäern und `Nicht-Europäern´) wird gesetzlich verboten.

1950 Die „Rassengruppen“ werden definiert und die Bevölkerung wird danach klassifiziert und registriert. Die Siedlungs- und Wohngebiete werden endgültig nach „Rassen“ (Weiße und `Nichtweiße´/ Europäer und `Nicht-Europäer´ und weitere Zuordnungen) verordnet. Die Kommunistische Partei wird verboten; die schwammige Definition des Begriffs Kommunismus gibt der Regierung weitgehende Vollmachten ohne Kontrolle der Gerichte.

1951 Die „Bantuverwaltungsbehörden“ werden geschaffen, der Zugang für Afrikaner/Afrikanerinnen in die Städte wird erschwert, Inder/Inderinnen und „Kleurlinge/Coloureds“ (Menschen indischer/asiatischer Abstammung, genannt „Indians“ und Menschen nicht nur afrikanischer Abstammung sowie überlebende Nachkommen der Khoi-Völker – genannt „Coloureds“/“Kleurlinge“) werden aus der allgemeinen Wählerliste gestrichen und erhalten eigene Vertretungskörperschaften.

1952 Für alle Afrikaner und Afrikanerinnen wird das Referenzbuch, der so genannte Pass („Dompas“), eingeführt. Der „Dompas“ bestätigt ein Arbeitsverhältnis und erlaubt das Betreten von ansonsten Weißen vorbehaltenen Gebieten außerhalb der den Afrikanern zugewiesenen „Reservate“. Der „Dompas“ ist ständig mitzuführen.

1953 Ein neues Gesetz stellt Proteste gegen geltende Gesetze unter Strafe. Für Afrikaner und Afrikanerinnen wird ein besonderes Erziehungsprogramm eingeführt. Dieses Bantu-Erziehungssystem wird von den Schwarzen abgelehnt, da es von ihnen als minderwertig und erniedrigend erlebt wurde. Mit der “kleinen Apartheid” wird die „Rassentrennung“ in öffentlichen Einrichtungen von Parks bis zu Kino- und Bahnschaltern verordnet. (Die „große Apartheid“ betrifft die restriktive Regelung und Untersagung vom Grundrecht auf Landnutzung und Landbesitz, Wahl- und Zivilrecht).

1955 Der ANC, der Congress of Democrats, der Indian Congress und der Coloured Peoples‘ Congress – die so genannten Charteristen – bilden die Kongress-Allianz und verabschieden die Freiheitscharta, die sich für ein demokratisches und freiheitliches Südafrika ohne Rassismus ausspricht. “Südafrika gehört allen, die darin leben”.

1956 Die Regierung verbietet die Registrierung „gemischtrassischer“ Gewerkschaften; Arbeitsplätze werden für bestimmte „Rassengruppen“ reserviert.

1958 Der Pan-Africanist Congress (PAC) spaltet sich vom ANC ab. Er betont im Zuge des Panafrikanismus die schwarzen Wurzeln und lehnt eine Beteiligung von Weißen bei der Konzeption eines neuen Südafrika ab. Vom Protest zum bewaffneten Widerstand und Ausbau des Unterdrückungsapparates

1960 Am 21. März werden bei einem Massaker in Sharpeville 69 Menschen getötet und 186 verwundet, als die Polizei das Feuer auf Demonstranten eröffnet, die gewaltfrei gegen die Passgesetze demonstrieren. Die Afrikaner und Afrikanerinnen reagieren mit Unruhen und Streiks im ganzen Land. Die Regierung erlässt ein Gesetz, das den ANC und den PAC verbietet. Dieser Schlag gegen den organisierten Teil des schwarzen Widerstandes führte zum bewaffneten Widerstand gegen die Apartheid. Der ANC gründet mit uMkhonto weSizwe (MK, “Speer der Nation”), einen bewaffneten Arm der Bewegung, der unter Führung von Nelson Mandela gestellt wird. MK beginnt im folgenden Jahr mit ersten Angriffen auf staatliche Einrichtungen. Die Vereinten Nationen haben den 21. März zum `internationalen Tag gegen Rassendiskriminierung´ erklärt.

1961 Die Südafrikanische Union tritt aus dem Commonwealth aus und nennt sich fortan Republik Südafrika. Der ANC-Präsident Albert Luthuli erhält den Friedensnobelpreis und fordert erstmals Sanktionen gegen das Apartheidregime.

1962 Die Apartheidregierung nimmt Sabotageakte zum Anlass, Einzelpersonen zu `bannen´. Sie dürfen sich nicht vom Ort bewegen, erhalten Veröffentlichungsverbot und nur begrenzten Besuch bei Genehmigung. Es ist untersagt, Aussagen von ihnen zu zitieren. Poqo (“Wir allein”), der bewaffnete Flügel des PAC, verübt Angriffe gegen Informanten, Chiefs und Weiße.

1963 Gegen zehn Mitglieder des ANC beginnt ein Hochverratsprozess. Sie waren im Vorjahr in Rivonia, einem Vorort von Johannesburg, verhaftet worden. Ihnen wird vorgeworfen, einen gewaltsamen Umsturz vorbereitet zu haben und für die Sabotageakte die Verantwortung zu tragen.

1964 Die meisten Angeklagten des Rivonia-Prozesses werden zu lebenslanger Haft verurteilt. Mandelas Schlusswort vor Gericht ist eines der eindrucksvollsten Dokumente über das Ringen um Gleichberechtigung und ein Plädoyer für die einfachsten Grundrechte einer menschenwürdigen Gesellschaft.

1965 Es wird ein Gesetz verabschiedet, nach dem Verhaftete erstmals 90 Tage lang in Einzelhaft genommen werden können, ohne einem Gericht vorgeführt zu werden.

1966 Premierminister des Apartheidregimes Hendrik Verwoerd wird im Plenarsaal von einem weißen Parlamentsbediensteten erstochen. Der wird für geisteskrank erklärt und nie vor Gericht gestellt. Nachfolger wird B.J. Vorster.

1967 Das Terrorismus-Gesetz gibt der Polizei das Recht, Verhaftete auf unbefristete Zeit in Einzelhaft zu nehmen. Die Öffentlichkeit hat kein Anrecht darauf, die Namen der Verhafteten zu erfahren.

1968 Ein Gesetz wird verabschiedet, das nicht entlang der „Rassenlinien“ organisierte politische Parteien verbietet.

1970 Das Apartheidgesetz, der Bantu Homelands Citizenship Act, erkennt alle schwarzafrikanischen Südafrikaner und Südafrikanerinnen die südafrikanische Staatsbürgerschaft ausdrücklich ab. Sie werden zwangsweise zu Bürgern und Bürgerinnen jeweils eines der zehn `Reservate´ (genannt `Homelands´) erklärt. Das Gesetz bewirkt eine millionenfache Ausbürgerung der Schwarzen. Die Homelands sollen nach den Plänen der Apartheidregierung nach und nach in die “Unabhängigkeit” entlassen werden. Diesen Status erhielten bis zum Ende des Apartheidregimes die Transkei (1976), Bophuthatswana (1977), Venda (1971) und die Ciskei (1981).

1972 Die Black People’s Convention wird als Dachorganisation der Black Consciousness-Gruppen gegründet.

1973 In Durban beginnen Streiks. Sie weiten sich auf andere Zentren aus und markieren das Wiederaufleben eines unabhängigen Gewerkschaftswesens.

1974 Südafrikanische Einsatzkommandos dringen erstmals nach Botswana ein, um Oppositionelle zu verfolgen und zu töten.

1975 Die Inkatha Kulturorganisation wird als kulturelle Bewegung des Zulu-Volkes wiederbelebt. Die Bewegung sucht zunächst eine lose Allianz mit dem ANC.

1976 In den Johannesburger Arbeiter-Siedlungen Soweto (South Western Townships) beginnt am 16. Juni eine Protestwelle. Auslöser ist die Einführung von `Afrikaans´ als vorgeschriebene Unterrichtssprache an schwarzen Schulen. Bei den landesweiten Protesten werden etwa 600 Menschen getötet, rund 2.000 verletzt und unzählige verhaftet. Die Organisationen der Bewegung des Schwarzen Selbstbewusstseins, Black Consciousness Movement (BCM), werden verboten. Viele Mitglieder fliehen ins Ausland und die meisten schließen sich dem ANC an.

1977 Der Führer der Bewegung des Schwarzen Selbstbewusstseins (BCM), Steve Biko, wird in Pretoria im Polizeigewahrsam in den Tod getrieben.

1978 Aus der Bewegung des Schwarzen Selbstbewusstseins (BCM) heraus gründet sich die Azanian People’s Organisation AZAPO. Über einen regierungsinternen Skandal kommt P.W. Botha an die Macht. Er entwickelt die Politik der “Totalen Strategie”. Alle politischen und gesellschaftlichen Ebenen sollen so formiert werden, dass die Konflikte im Inneren kontrollierbar gehalten werden. Dazu wird auch die Destabilisierung der Nachbarländer geplant.

1979 Nach einem Treffen zwischen Chief Gatsha Buthelezi (ein `Homeland´-Chef) und dem ANC in London werden die Verbindungen zwischen Inkatha und ANC aufgelöst.

1981 Bei Kommandoaktionen nach Mosambik werden zwanzig Menschen getötet. Die Rebellenorganisation Renamo wird von Pretoria aus unterstützt. Die südafrikanische Armee besetzt ein Drittel des Territoriums von Angola, um die Befreiungsbewegung Swapo (South-West African Peoples‘ Organisation) vom direkten Zugang nach Namibia, ihrem Land, abzuschneiden.

1982 Südafrikanisches Militär greift ANC-Mitglieder in Lesotho an. 42 Menschen, darunter 12 Bürger Lesothos, werden getötet. Das Gesetz zur inneren Sicherheit erlaubt das Verbot von Publikationen und legitimiert Hausarrest sowie unbefristete Haft.

1983 Eine Verfassungsänderung räumt „den Farbigen und Indern“ eigene Kammern mit begrenzten Rechten ein; Schwarze werden nicht berücksichtigt und gelten weiterhin als Bürger und Bürgerinnen der Homelands und als Ausländer und Ausländerinnen in Weiß-Südafrika. Gegen dieses neue Dreikammernsystem organisieren die den Charteristen nahestehende Vereinigte Demokratische Front (UDF) und das von Afrikanisten und unabhängigen Sozialisten gegründete Nationale Forum (NF) den Widerstand.

1984 Mosambik unterzeichnet auf starkem Druck durch Südafrika das Nkomati-Abkommen. ANC-Mitglieder müssen Mosambik verlassen.

1985 Nach schweren Unruhen bei Vertreibungen illegaler Siedlungen und nach Begräbnissen von Aktivisten, die sich zu politischen Demonstrationen entwickeln, wird in 36 Distrikten der Ausnahmezustand ausgerufen. Botha erklärt in seiner “Rubikon-Rede” das Ende jeglicher Reformgespräche. In der Provinz Natal beginnen gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Inkatha und UDF (United Democratic Front). Im November gründen die wichtigsten unabhängigen Gewerkschaften den Dachverband Congress of South African Trade Unions (COSATU).

1986 In zahlreichen Townships beginnen Aufstände: “Macht die Städte unregierbar”, heißt die Parole. Das Apartheidregime sucht ihrer durch Ausrufung eines landesweiten Ausnahmezustandes Herr zu werden. Bis Juni 1987 werden mehr als 25.000 Personen verhaftet. Der mosambikanische Staatschef Samora Machel kommt bei einem von Südafrika initiierten Flugzeugabsturz ums Leben. Die UDF beruft Straßenkomitees und Volksgerichte ein. Zahlreiche Verbrechen sind die Folge.

1987 Eine Gruppe afrikaanssprachiger Weißer trifft sich in der senegalesischen Hauptstadt Dakar erstmals mit dem ANC.

1988 Den Gewerkschaften, der UDF und weiteren 16 Organisationen werden gravierende Beschränkungen auferlegt. Nach schweren Niederlagen in Angola und dem veränderten West-Ost-Verhältnis stimmt das Apartheidregime zum Jahresende dem Vertrag von New York zu und muss sich aus Angola zurückziehen sowie dem Unabhängigkeitsprozess in Namibia unter internationaler Kontrolle zustimmen.

1989 Es kommt zu einem ersten Treffen zwischen Botha und Nelson Mandela. Einen Schwächeanfall Bothas nutzt F.W. de Klerk, um die Regierung zu übernehmen. Er leitet eine Öffnung des Apartheidsystems ein, um wenigstens indirekt die politische Kontrolle zu behalten.

Der Übergang

1990 Das Verbot von ANC, PAC und 31 weiteren Organisationen wird aufgehoben, Nelson Mandela und andere politische Gefangene werden entlassen. In Natal nehmen die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Inkatha und UDF nicht gekannte Ausmaße an. Später wird bekannt, dass Inkatha dabei vom Apartheidregime massiv unterstützt worden war. Die Auseinandersetzungen halten bis kurz vor den (ersten demokratischen) Wahlen 1994 an.

1991 Die Regierung und 18 weitere Parteien beschließen die Übereinkunft für ein demokratisches Südafrika (Codesa).

1992 In einem Referendum ausschließlich unter Weißen befürworten 69% die Fortsetzung der Teilnahme ihrer Regierung an den Verhandlungen für ein demokratisches Südafrika.

1993 Nach dreijährigen Verhandlungen wird ein Abkommen über eine nicht-rassische Vielparteiendemokratie beschlossen und eine Übergangsverfassung verabschiedet. Nelson Mandela und F.W. de Klerk erhalten den Friedensnobelpreis.

1994 Im Vorfeld der Wahlen suchen Anhänger der weißen Rechten und der `Homeland´-Chef von Bophuthatswana, die Apartheidregierung durch bewaffnete Angriffe zur Preisgabe der Verhandlungslösung zu bringen. Sie scheitern. Inkatha verstärkt ein letztes Mal Gewalttätigkeiten gegen den ANC und andere Befürworter der laufenden Verhandlungen für eine nicht-rassische Vielparteiendemokratie. Bis unmittelbar vor den Wahlen bleibt eine Teilnahme von Inkatha ungewiss. Die Drohung einer Sezession des `Homeland´ KwaZulu einschließlich der sie umschließenden Provinz Natal steht im Raum. Südafrika wird Demokratie

1994 Am 27. April finden erstmals in Südafrika freie und allgemeine Wahlen statt. Der ANC gewinnt mit deutlicher Mehrheit; Nelson Mandela wird erster Präsident des freien Südafrika. Gemäß der Übergangsverfassung werden die Nationalpartei und Inkatha aufgrund ihres Wahlergebnisses an der Regierung der Nationalen Einheit beteiligt. Südafrika tritt als elftes Mitglied der regionalen Entwicklungsgemeinschaft SADC bei.

1996 Südafrika erhält im Dezember seine endgültige Verfassung. Sie tritt am 3. Februar 1997 in Kraft. Die Wahrheits- und Versöhnungskommission (TRC, Truth and Reconciliation Commission) nimmt ihre Arbeit auf. Sie soll die jüngste Vergangenheit Südafrikas aufarbeiten und die Verletzung der Menschenrechte untersuchen, die beide Seiten (die Verfechter und die Gegner der Apartheid) seit dem Massaker von Sharpeville 1960 begangen haben.

1998 Die Wahrheitskommission legt ihren (ersten) Bericht vor.

1999 Bei den Parlamentswahlen kann der ANC seinen Vorsprung ausbauen. Neuer Staatspräsident wird Thabo Mbeki. Nelson Mandela hatte nicht wieder kandidiert. Die Präsidentschaft ist auf zwei Perioden begrenzt.

2003 Entgegen großzügigeren Empfehlungen der Wahrheitskommission gesteht die Regierung anerkannten Opfern der Apartheid nur eine einmalige Abfindung von 3.500 Rand zu. Opfer haben vor US-Gerichten eine Sammelklage eingereicht, in der sie von überseeischen Firmen, die durch ihre Tätigkeit die Apartheid unterstützt haben, eine Entschädigung fordern; darunter die drei großen deutschen Banken, DaimlerChrysler und der Rüstungskonzern Rheinmetall.

2004 Bei den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen im April erzielt der ANC mit fast 70 Prozent der Stimmen die angestrebte Zweidrittelmehrheit. Zum ersten Mal gewinnt er auch in allen Provinzen. Starke Einbußen muss die ehemalige Apartheidregierungspartei NNP (früher NP) erleiden. Thabo Mbeki wird im Amt bestätigt.

2006 Bei den dritten Kommunalwahlen im März kann der ANC seine dominierende Stellung behaupten, obwohl sich in vielen Kommunen Protest gegen die mangelnden Dienstleistungen des Staates erhoben hat. In Kapstadt kann die Demokratische Allianz das Bürgermeisteramt zurückerobern.

2007 Auf dem 52. Parteitag des ANC im Dezember in Polokwane wird Jacob Zuma zum neuen ANC-Präsidenten und damit zum potenziellen Nachfolger von Thabo Mbeki gewählt, dessen Einfluss in der Partei geschwächt ist. Im ANC stehen sich zwei Zentren der Macht gegenüber.

2008 Eine Welle der Fremdenfeindlichkeit gegen Ausländer und Ausländerinnen, insbesondere aus Simbabwe und Mosambik, durchzieht im Mai die Townships bei Johannesburg, Durban, Kapstadt und anderen Städten. Mindestens 62 Menschen kommen dabei um, über 80.000 sind vor den Übergriffen geflohen. ANC-Vizepräsident Kgalema Motlanthe wird in das Amt des Staatspräsidenten als Nachfolger von Thabo Mbeki gewählt, der infolge innerparteilicher Machtkämpfe und belastender Verdächtigungen zurückgetreten war.

                      FORTSETZUNG   FOLGT

Ben Khumalo-Seegelken

Liberation Processes in pre- and post-colonial Southern Africa (LiPSA)

https://www.benkhumalo-seegelken.de/suedafrika-aktuell/25-liberation-processes-in-pre-and-post-colonial-southern-africa-lipsa/ 2008-12-02

 

Ben Khumalo-Seegelken, Theologe, Sozialwissenschaftler und Menschenrechte-Aktivist, lebte in iMbali und KwaPata bei Pietermaritzburg (Südafrika) und arbeitete – am Edendale Lay Ecumenical Centre angestellt [1972-1975] – mit Jugendlichen in und um Edendale einschließlich Pietermaritzburg, Durban und Umgebung im Widerstand gegen die Apartheid, den Heranwachsenden mit Wissen und Können dazu zu befähigen, wirkungsvoller am „Struggle“ teilzunehmen, entkam einer Festnahme und erhielt nach der Flucht politisches Asyl in West-Deutschland [1975], lebt und wirkt in zahlreichen zivilgesellschaftlichen Netzwerken sowohl in Südafrika als auch in Deutschland.

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Kommentare zu »Südafrika: Eckdaten – Land & Leute, Wirtschaft, Politik & Geschichte – zum Staatswesen und zur Verwaltung«

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