Persönlich und daheim

Ich grüße Euch,

zwar haben Ubbo und ich inzwischen unsere Reisetaschen bereits ausgepackt, aber die Seelen sind lange noch nicht wieder hier angekommen! Sie brauchen eben länger.

Herbstlich ist es hier inzwischen geworden; am `Kap der guten Hoffnung´ bricht gerade der Frühling an. Etwas länger wären wir ja schon alleine deswegen dort geblieben, aber auch für uns ist zu Hause nach wie vor am besten!

Die zurückliegenden 6 Wochen sind unglaublich ereignisreich verlaufen: Sowohl mit unseren Angehörigen in und um Johannesburg und im ländlichen KwaZulu-Natal sowie im näheren und weiteren Freundschaftskreis quer durch das ganze Land haben wir Südafrika in diesen Wochen so intensiv und facettenreich wie selten zuvor in all den inzwischen 14 Jahren unserer Jahresbesuche erlebt.

Die unterschiedlichen landschaftlichen Besonderheiten des Riesenlandes zwischen dem Atlantischen und dem Indischen Ozean und die große Vielfalt unter seinen 45 Millionen Einwohnern der verschiedenen Bevölkerungsgruppen, Hautfarben und Einkommensklassen machen beinahe jeden einzelnen Tag zum unwiederholbaren Erlebnis – besonders in diesem Jahr der vielen Turbulenzen!

In kurzer Abfolge haben sich einschneidende innenpolitische Umwälzungen ereignet und wir konnten die verschiedensten Regungen und Positionierungen unmittelbar erfahren. Von Gauteng über Mpumalanga, KwaZulu-Natal, Ostkap, Karoo bis Kapstadt und Westkap führte unsere selbstbestimmte Route und brachte uns mit Menschen aller Bevölkerungsgruppen und Schichten ins Gespräch und zum Meinungsaustauch: „San! – not Bushman!“ bekräftigten immer wieder die Internatsschüler auf der ehemaligen Missionsstation „Wupperthal“ (1830-1965) in den Cedarbergen nordöstlich von Kapstadt – Nachkommen der Ureinwohner jener Gegend Südafrikas -, mit denen wir uns bis sehr spät abends ausgefragt und ausgetauscht und unterhalten haben: Von A wie „Apartheid“ oder „ANC“ bis Z wie „Zwangsumsiedlung“ oder „Zuma“ ging es!

Interessant ist es gewesen, bei Begegnungen und Ereignissen festzustellen, dass und wie differenzierter die derzeitigen parteipolitischen Turbulenzen im allgemeinen beurteilt werden und wie das Bewusstsein um Rechtsstaatlichkeit (`rule of law´) gerade in der Beurteilung der groben Rechtsbrüche und der gewalttätigen Ausschreitungen der letzten Wochen gewachsen ist und wächst. Die „Constitution“ ist in aller Munde und wird zurecht oder zu unrecht von den einen oder den anderen bemüht, die die eine oder die andere Position im Meinungsstreit zu begründen versuchen! Die junge Demokratie am Kap kommt mir vor krisentauglicher und lebensfähiger geworden zu sein.

Die lang ersehnte Normalisierung der parteipolitischen Landschaft etwa durch Entstehung neuer Interessengemeinschaften und politischer Parteien aus der bisherigen Sammelbewegung ANC, die themenorientiert argumentieren und arbeiten und auf gelingende Verhandlungen zur Zusammenarbeit mit andern angewiesen sind, scheint endlich unaufhaltsam in Gang gekommen zu sein. Mit wachsendem Interesse verfolgen wir die Entwicklungen der nächsten Wochen und Monate und sind gespannt, wie der anstehende Wahlkampf sich entfaltet und wer der nächste Staatspräsident – die nächste Staatspräsidentin – sein wird!

Vorerst müssen wir aber versuchen, hier wieder anzukommen! Das kühle Herbstwetter macht uns zu schaffen. Dass wir aber wieder zu Hause sind, freut uns selbstverständlich sehr.

Für heute grüße ich euch auch von Ubbo herzlich.
Euer Ben.

Oktober 2008

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