„… der kann viel erzählen!“

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Marko Martin*, Jahrgang 1970, aus Berlin, kann, in der Tat, viel und packend erzählen, nachdem er Dezember 2013 zehn Tage lang auf der Spur Nelson Mandelas `langen Wegs in die Freiheit´ Südafrika bereist hat. „Am Ende dieser Reise“ summiert Marko Martin [rückblickend] in seinem Reisebericht, den er inzwischen veröffentlicht hat, „wird der Mann, den sie Madiba nennen, gestorben sein; aber was will das heißen?

Marko Marin: Madiba Days. Eine Südafrikanische Reise.
Hannover: Wehrhahn Verlag 2015. ISBN 978-3-86525-463-4. (325 Seiten)

Darüber ist zu lesen:

1990 bedeutete nicht nur für Deutschland eine Zäsur. Mit der Freilassung Nelson Mandelas begann auch das Ende der anachronistischen Apartheid. Marko Martin hat Südafrika seither oft besucht, doch ist auf seiner jüngsten Reise plötzlich alles anders. In der Nacht des 5. December 2013 erreicht ihn in Kapstadt die Nachricht vom Tod des legendären, liebevoll „Madiba“ genannten Freiheitskämpfers. Alles Gesehene und Erinnerte erhält damit eine zusätzliche Grundierung: Wieviel Vergangenheit steckt in der Gegenwart, welche Phänomene lassen sich vergleichen, welches Sprechen darüber ist möglich?

Martins literarisches Tagebuch spürt Mandelas Lebensleistung nach, über die „Versöhnung zwischen schwarz und weiß“ hinaus: Ein Freiheitsstreben ohne ideologische Hybris, ein Insistieren auf demokratische Institutionen. Sind Revolutionäre also doch nicht immer zum Scheitern verurteilt? Marko Martin, einst als Kriegsdienstverweigerer aus der DDR ausgereist, stellt sich dieser Frage und entdeckt dabei den Anteil von Mandelas zahlreichen jüdischen Kampfgefährten. Gleichzeitig gemahnt ihn die abgeschottete Welt der hiesigen Buren an die eigene Kindheit. Seine assoziierenden Aufzeichnungen werden damit auch zu einem Stück doppeldeutscher Erinnerungsliteratur.

Am Schluss dieser mit Präzision und Verve erzählten Reise findet sich der Autor in der quirligen Welt von Mandelas politischen Enkeln wieder – NGO- und Gay-Aktivisten, die nun der Geißel der Homophobie den Kampf ansagen, das Subversive des Eros dabei nicht vergessend. „Madiba-Days“ ist ein Hohelied auf das Vermischte und die Chance, sich neue Erfahrungswelten zu erobern – immer wieder aufs Neue.

*Marko Martin, Jahrgang 1970, lebt als Schriftsteller in Berlin. In der Anderen Bibliothek erschienen seine Erzählbände „Schlafende Hunde“ (2009) und „Die Nacht von San Salvador“ (2013), im Wehrhahn Verlag die Essaybände „Kosmos Tel Aviv“ (2012) und „Treffpunkt `89“ (2014).

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