INHALTSÜBERSICHT: Texte aus dem Widerstand I

übersetzt und herausgegeben von

Heinz-Hermann Nordholt

 

INHALTSÜBERSICHT

 

7     Vorwort

11   Die Schwarze Kirche und die Zukunft Südafrikas

25   Ein Brief an den südafrikanischen Justizminister vom 24. August 1979

33   Schwarz und reformiert  –  Last oder Herausforderung?

50   „Reiß jedes Joch weg!“ Die Kirchen Afrikas im Befeiungsprozess

61   Rassismus und der Reformierte Weltbund

73    Der HERR und die Herrschaften

84   Für die wahre Einheit

93   Mitten im glühenden Ofen

102 Ethik à la Ruben

110 „ … dazu sein eigen Leben …“

118 Von Blumen, die welken, vom Wort, das bleibt

127 Nachweise

 

Vorwort 

Der vorliegende Band vereinigt verstreut veröffentlichte Texte des südafrikanischen Theologen Dr. Allan A. Boesak mit einer Reihe von Predigten, die in englischer Sprache im vergangenen Jahr [1984] beim Ökumenischen Rat der Kirchen erschienen sind.

Allan Boesak wurde 1946 in der nördlichen Kapprovinz geboren.  Kurz nach seinem sechsten Geburtstag verstarb sein Vater; die Mutter blieb mit acht unversorgten Kindern zurück.  Die Familie musste sich unter ärmlichen Verhältnissen durchschlagen.  Boesak wuchs unter den Bedingungen der seit 1948 rigoros durchgesetzten Apartheidpolitik auf.  Schon früh nahm er ihre zerstörerischen Auswirkungen wahr.  Theologisch wurde er zutiefst von der pietistischen Frömmigkeit seiner Kirche geprägt, der Nederduits Gereformeerde Sendingkerk, einer ‘Tochterkirche’ der Nederduits Gereformeerde Kerk (Kirche der Weißen), die  speziell für die ‘Coloureds’ [Südafrikaner/Südafrikanerinnen nicht nur (schwarz)-afrikanischer Abstammung] gegründet wurde.  Eine starke biblische Verankerung kennzeichnet seine Theologie bis heute.

1962 begann er ein theologisches Studium und schloss es 1967 mit dem Examen ab.  Zwei Jahre Arbeit als Pfarrer zeigten ihm, dass seine Ausbildung ihn auf die Situation, in der er Dienst tun sollte, völlig unzureichend vorbereitet hatte.  Erst der Kontakt mit der “Bewegung für Schwarzes Bewusstsein” [Black Consciousness Movement] Anfang der siebziger Jahre verschaffte ihm das theoretische Rüstzeug, Apartheid und ihre schrecklichen Folgen kritisch zu analysieren.  Von 1970 bis 1976 studierte er an verschiedenen Hochschulen in den USA und in den Niederlanden.  In dieser Zeit der Distanz zu seiner Heimat gelang ihm die Formulierung seiner biblisch-theologischen radikalen Kritik des Apartheidsystems.

1976 wurde ihm als erstem Theologen der Nederduits Gereformeerde Sendingkerk [nicht nur (schwarz)-afrikanischer Abstammung] in Kampen/Niederlanden der Doktorgrad verliehen.  Wie er selbst erzählt, hatten es viele seiner weißen Kollegen in Südafrika gar nicht für möglich gehalten, dass ein ‘Coloured’ zu einer solchen Leistung überhaupt in der Lage wäre.  Seine Dissertation “Farewell to Innocence” [deutscht: “Unschuld, die schuldig macht”, Luth. Verlagshaus Hamburg] zählt zu den Standardwerken der [südafrikanischen Black Theology], er selbst zu den profiliertesten ihrer Vertreter.

“Schwarz” meint dabei nicht die Bezeichnung einer Hautfarbe, sondern eine Situation der Unterdrückung.  Aus dieser Situation heraus betreibt Boesak Theologie und wird dabei hellhörig für Züge der biblischen Botschaft, die in der herkömmlichen europäischen (“weißen”) Theologie vernachlässigt worden sind.  Besonders deutlich wird dies in seinen Predigten, die seine Schriftgebundenheit ebenso dokumentieren wie seine Fähigkeit, das biblische Wort und die Lebenssituation schwarzer Menschen in Südafrika miteinander ins Gespräch zu bringen.  Der biblische Begriff des Gehorsams spielt dabei in seinem Denken eine gewichtige Rolle.  Im Vorwort der oben erwähnten Predigtsammlung schreibt er: “Gehorsam gegenüber Gott ist zentraler Bestandteil unseres Glaubens und der Berufung des Gläubigen.  Unser Glaube wird ununterbrochen geprüft.  Gott will keinen blinden, fraglosen Gehorsam, keine Unterwürfigkeit nach dem Motto ‘Befehl ist Befehl’.  Er erwartet vielmehr eine Hingabe, ein Vertrauen, einen Gehorsam, der auf seine Liebe und seine Hingabe an uns antwortet.  Gott gehorchen heißt: darauf vertrauen, dass seine Verheißungen unabänderlich gelten; es heißt: das Risiko des Glaubens eingehen und dabei die Freude an Gottes Treue entdecken.  Gehorsam bedeutet Wachstum in der Jüngerschaft, mit allem was sie kostet.  Aber Gehorsam bedeutet auch: die Freude zu spüren, wenn wir unsere Angst vor der Freiheit überwinden.”

Biblische Fundierung, ein scharfer Blick für die Situation in Südafrika, ein vehementer Einspruch gegen jede Spiritualisierung des Evangeliums, ein “frommes” Pathos machen Allan Boesaks Theologie aus.  Und noch etwas: Er ist mit Leib und Seele reformierter Theologe.  Der Heidelberger Katechismus gehört für ihn nach eigener Aussage zu den machtvollsten Glaubenszeugnissen überhaupt, und die Barmer Erklärung dürfte wohl an wenigen Orten auf der Welt momentan im kirchlichen Bereich eine so große Rolle spielen wie in Südafrika.  In einem der hier gesammelten Text (“Schwarz und reformiert – Last oder Herausforderung?”) geht Boesak ausführlich auf die Relevanz der reformierten Tradition in Südafrika ein.  Christen seines Schlages leben dort gefährlich.  Dr Allan Boesak, Präsident des Reformierten Weltbundes [1982-1991] und einer der Mitbegründer und Führer der außerparlamentarischen Oppositionsbewegung United Democratic Front (UDF) (1983-1988), wurde vor wenigen Tagen [August 1985] verhaftet, weil er zu einer Demonstration für die Freilassung Nelson Mandelas aufgerufen hatte.  Zu dem Zeitpunkt, an dem diese Zeilen geschrieben waren, befindet er sich noch in Haft.  Seien Frau, seine vier Kinder müssen um ihn bangen wie Tausende von südafrikanischen Familien, deren Angehörige von den repressiven Sicherheitsgesetzen des Apartheidstaates betroffen sind.

Als Anfang 1982 eine Delegation des Reformierten Weltbundes Südafrika bereiste, kam es auch zu einer intensiven Begegnung mit Allan Boesak.  Abends sprachen wir über die Gefährdungen und Anfeindungen, denen ein exponierten Mann wie Boesak in seinem Land, in seiner Kirche ausgesetzt ist.  Plötzlich sagte er mit einem verschmitzten Lächeln: “Ich weiß gar nicht, was die Leute wollen – eigentlich bin ich doch nu rein konservativer Theologe!”  Von der speziellen Art des Konservatismus dieses Theologen legen die hier gesammelten Texte Zeugnis ab.

Erlangen, August 1985

H.-H. Nordholt

  Boesak, Allan A.  1985: Gerechtigkeit erhöht ein Volk. Texte aus dem Widerstand. Übersetzt und herausgegeben von Heinz-Hermann Nordholt. Neukirchen-Vluyn. ISBN 3-7887-1203-1 (128  Seiten)

SEMINAR: Reformierte Identität im Bekenntnis und im Widerstand gegen Unrecht.  Wintersemester 2015/2016

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Kommentare zu »INHALTSÜBERSICHT: Texte aus dem Widerstand I«

  1. […] with (among others):  Douglas Bax, Allan Boesak, Manas Buthelezi, Jim Cochrane, Horst Kleinschmidt,  Cedric Mayson,  Weli Mazamisa, Johann […]

  2. […] des Südafrikanischen Kirchenrates (SACC) im Juli 1979 hatte der damals 33-jährige Theologe Allan Boesak in seinem Referat das Thema des zivilen Ungehorsams angeschnitten. Sein Appell wurde von der […]

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