Wer war er? – Sam Buti, Alexandra Township

Sam Buti, Alexandra Township

„Ein Leben im Ringen um Gerechtigkeit, Einheit und Versöhnung“

Nachruf  durch  Stefanie  Rieke-Kochsiek

[Nachdruck]
 Alexandra Township, Südafrika  26.08.2010: Etwa 2500 Menschen, darunter viele Vertreterinnen und Vertreter aus Kirche und Politik, kamen am 26.08. in die Mehrzweckhalle in Alexandra, als Sam Buti beerdigt wurde, der eine Woche zuvor, am 18.08., gestorben war.  49 Jahre war Sam Buti Pfarrer in Alexandra gewesen. Für die Gemeinde, das Township sowie die gesamte politische und kirchliche Entwicklung Südafrikas hat er eine wichtige Rolle gespielt.

Samuel Pallo Ernest Buti wurde 1934 in der Provinz Free State geboren. Nach dem Theologiestudium wurde er 1959 Pfarrer in Alexandra und widmete sich neben der Gemeindearbeit den sozialen und politischen Problemen. Zum Beispiel sollten die Bewohnerinnen und Bewohner Alexandras zwangsweise umgesiedelt werden, so wie Millionen Schwarze, die das Apartheidsregime in den sechziger und siebziger Jahren von ihren Wohnorten vertrieben und in so genannte „Homelands“ geschickt hat. Sam Buti startete eine Kampagne, die so viel Unterstützung und internationale Aufmerksamkeit gewann, dass das Apartheidsregime 1979 zum Einlenken gezwungen wurde. Seitdem gilt Sam Buti als der Mann, der Alexandra gerettet hat.

Alexandra gerettet  –  kontrovers und umstritten

Nach diesem Erfolg wurde Sam Buti im Township zum Bürgermeister gewählt. Er wollte versuchen, die Apartheid innerhalb ihrer Strukturen zu ändern. Dafür wurde er von vieler Seite kritisiert; ihm wurde vorgeworfen, dass er mit dem Unrechtsystem kollaboriert. Als schließlich sein Haus 1985 bombardiert wurde – Sam Buti sah es als Fügung Gottes, dass dabei niemand ums Leben kam – gab er das Bürgermeisteramt ab.

Auch im kirchlichen Widerstand gegen die Apartheid war Sam Buti aktiv. Durch Studienaufenthalte in den Niederlanden und den USA wurde ihm die weltweite Gemeinschaft der Christinnen und Christen wichtig, die nicht konstituiert ist durch Hautfarbe oder Geschlecht. Er studierte Befreiungstheologien und suchte stets nach Wegen zur Befreiung aller Menschen Südafrikas, nicht nur der Schwarzen.  1975-1981 war Sam Buti Präsident des Südafrikanischen Kirchenrates (SACC), wo sich die Kirchen diverser Konfessionen zum Kampf gegen die Apartheid zusammenschlossen.

Uniting Reformed Church

Als langjähriger Moderator seiner Kirche, der frühere Niederländisch-reformierten Kirche in Afrika [für die `Schwarzen´], bemühte er sich sein Leben lang um die Vereinigung der durch Hautfarbe getrennten Niederländisch-reformierten Kirchen in Südafrika. Dank seinem Charisma gelang es, dass sich die damalige Niederländisch-reformierte Kirche für die `Schwarzen´ und die für die `Coloureds´  1994 zusammenschlossen zur „Uniting Reformed Church“, der Vereinigenden Reformierten Kirche („Vereinigend“, d.h. noch auf dem Weg: die weiße Kirche hat sich der Vereinigung bis heute nicht angeschlossen trotz vielfältiger Bemühungen durch Menschen wie Sam Buti, Allan Boesak, Beyers Naudé und anderen). Die Uniting Reformed Church ist Partnerkirche der Lippischen Landeskirche und der Evangelisch Reformierten Kirche.

Auch nach der Wende 1994 hat Sam Buti sich weiter für das Township Alexandra und für seine Kirchengemeinde eingesetzt. 2004 war er mit Mitgliedern des Kirchenvorstands in Lippe und bemühte sich um eine Partnerschaft auf Gemeindeebene. Allerdings sah er den Begriff „Partnerschaft kritisch. „Das klingt so geschäftlich“ (im englischen eher ein Ausdruck aus dem wirtschaftlichen Bereich). „Sollten wir nicht lieber `Koinonia´ sagen, das griechische Wort für die Gemeinschaft …?“

„Bekenntnis von Belhar“  – Ausdruck des Willens zur Einheit und Versöhnung

Viele Menschen, die Sam Buti in Deutschland oder in Südafrika begegnet sind, waren davon beeindruckt, wie er mit Kenntnis, Entschiedenheit und Humor Positionen vertrat, wie er Menschen ansprach und sie im Band des Glaubens zusammenführte. Er hat anderen das „Bekenntnis von Belhar“ nahe gebracht, verfasst 1982 in Südafrika, das sich für Einheit, Versöhnung und Gerechtigkeit ausspricht – Werten, denen Sam Buti sich verschrieben hatte.

2008 ging Sam Buti offiziell in den Ruhestand. Im April 2010 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Universität von Südafrika für seinen Kampf gegen die Apartheid verliehen. An den Feierlichkeiten konnte Sam Buti nur im Rollstuhl teilnehmen, da er durch verschiedene Krankheiten in den zurückliegenden Jahren geschwächt war. Geistig war er bis zum Lebensende klar.

Sam Buti hinterlässt seine Frau Mary, zwei Söhne, eine Tochter und Enkelkinder.

Sam Buti war 1996 mein Mentor, als ich zum Auslandsvikariat in Alexandra war. Ich bin froh, dass ich ihn kennenlernen, von ihm lernen durfte und dass ich bei seiner Beerdigung dabei sein konnte.

Bei der Beerdigung habe ich Grüße von Partnerkirchen überbracht. Ich hoffe, dass auch viele Menschen in Deutschland die Erinnerung an Sam Buti bewahren und weiterführen, wofür er sich sein Leben langeingesetzt hat.

Stefanie Rieke-Kochsiek ist Pastorin der Lippischen Landeskirche und arbeitet zurzeit [2010] für drei Jahre in der Uniting Reformed Church. Sie lebt mit ihrer Familie in Pretoria.

Quelle: die reformierten.upd@te 10.3, 15

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