EKD: „Vergib uns unsere Schuld“

EKD bittet Nachfahren des Völkermords
im früheren Deutsch-Südwestafrika
um Vergebung

Mit einem Schuldbekenntnis und der Bitte um Vergebung hat sich die  Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) an die Nachfahren der Opfer des – aus  Sicht der meisten Historikerinnen und Historiker – ersten Völkermord des 20.  Jahrhunderts gewendet:

„Als Nachfolgeinstitution des einstigen Evangelischen  Preußischen Oberkirchenrats, der seinerzeit im Auftrag aller deutschen  evangelischen Landeskirchen handelte, bekennen wir uns als Evangelische  Kirche in Deutschland heute ausdrücklich gegenüber dem gesamten
namibischen Volk und vor Gott zu dieser Schuld“, heißt es in einer heute unter  dem Bibelwort „Vergib uns unsere Schuld (Matthäus 6,12)“ veröffentlichten EKD-Erklärung.

„Wir bitten die Nachfahren der Opfer und alle, deren Vorfahren unter  der Ausübung der deutschen Kolonialherrschaft gelitten haben, wegen des  verübten Unrechts und zugefügten Leids aus tiefstem Herzen um Vergebung.“

In dem vom Rat der EKD verabschiedeten Dokument stellt sich die evangelische  Kirche ausdrücklich ihrer historischen Mitverantwortung für die zwischen 1884 und 1915 im heutigen Namibia begangenen Gräueltaten. Zwar hätten, soweit dies aus Quellen ersichtlich sei, die nach Südwestafrika entsandten deutschen evangelischen Pfarrer nicht selbst direkt zu den Massentötungen aufgerufen, durch die theologische Rechtfertigung von imperialem Machtanspruch und kolonialer Herrschaft sowie durch einen tief sitzenden Rassismus hätten sie aber den Boden bereitet für den Tod vieler Tausender Angehöriger der namibischen
Volksgruppen in den Kriegshandlungen und Konzentrationslagern. „Dies ist eine große Schuld und durch nichts zu rechtfertigen.“

„Wir sind uns der Lasten bewusst, die die Nachkommen von Opfern und Tätern bis heute mit sich tragen“, erläutert die EKD-Auslandsbischöfin Petra Bosse-Huber. Auch die jetzige Erklärung könne das damalige Unrecht keinesfalls ungeschehen machen. Sie sei jedoch Ausdruck der bleibenden historischen und ethischen Verpflichtung der EKD, gemeinsam mit den Nachfahren der Opfer das Gedenken an die Opfer wachzuhalten, für die Anerkennung des Genozids einzutreten und an der Überwindung des damaligen Unrechts zu arbeiten. „Wir
müssen uns an die Zeit des Kolonialismus erinnern, aber wir brauchen dazu den Geist der Versöhnung.“ Die könne aber nur gelingen, wenn alle Bevölkerungsgruppen sich gegenseitig die Hand reichen, so Petra Bosse-Huber.

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