Henrik Berggren: Olof Palme

Olof Palme

Vor uns liegen wunderbare Tage
Btb; 720 Seiten.

Biografie Palmes beschreibt die Verdienste des Schweden. Eine kurze Vorstellung von Frederik Bombsch*:

Der Politiker, der etwas wollte

Dreißig Jahre ist es am Sonntag [28.02.2016]her, dass Schwedens Ministerpräsident Olof Palme mit seiner Frau Lisbet ohne Leibwächter seine Wohnung in der Stockholmer Altstadt verließ. Mit der U-Bahn fuhren sie ins Kino, schauten mit einem ihrer Söhne eine Komödie. Nach dem Film spazierten sie zurück zur U-Bahn, aber den Bahnhof erreichten sie nicht mehr. Ein Unbekannter erschoss den sozialdemokratischen Politiker und floh zu Fuß.

Bis heute sind der Mord, die unzähligen Verschwörungstheorien und das Versagen der Polizei bei den Ermittlungen ein Trauma für Schweden. Beinahe in Vergessenheit geriet darüber Palmes politisches Werk, seine radikalen Reformen – die in Deutschland vierzig Jahre später nachgeholt werden -, sein eigener, fast brutaler Bruch mit seiner großbürgerlichen Herkunft. Erst der Journalist Henrik Berggren hat mit einer Biografie dem Politiker zu Recht ein Denkmal gesetzt. Berggren webt eine imposante Zahl von Quellen zu einer packenden Erzählung von einem Mann, der ein unbeschwertes Leben in Wohlstand hätte verbringen können –und stattdessen den Weg des größtmöglichen Widerstands wählte.

Palme besuchte ein schwedisches Eliteninternat. Er politisierte sich während eines Studienaufenthalts in den USA in den späten 40er-Jahren, wo er soziale und ethnische Spannungen erlebte, wie er sie in Schweden noch nicht wahrgenommen hatte.
Über die Studentenpolitik fand er zur Sozialdemokratie und wurde in den 50er Jahren einer der engsten Mitarbeiter von Ministerpräsident Tag Erlander. Palme, Sohn eines Versicherungschefs und einer Adligen, wurde zum Genossen. Das empfanden viele Konservative als Provokation. Mit Frau und Kindern zog er in ein Reihenhaus.

Als Minister und später Regierungschef gestaltete er Schweden, als er prosperierte wie nie wieder, und krempelte das Land um nach seinem Ideal der jämlikhet“: der Gleichheit zwischen Mann und Frau, zwischen Chef und Untergebenem, zwischen Arm und Reich. In Palmes Zeit fingen die Schweden an, einander zu duzen. Er führte den Rechtsverkehr ein und schaffte das Ehegattensplitting ab. Gymnasien wurden zu Gesamtschulen, Gewerkschaften zu einer Macht. Nebenbei öffnete Palme das Land, unterstützte Sozialisten in Lateinamerika und Apartheidgegner in Südafrika, legte sich mit den USA an – und pflegte eine Freundschaft mit Willy Brandt.

„Politik ist, etwas zu wollen“, ist einer der meistzitierten Sätze Palmes. Er wollte so viel wie kaum ein europäischer Politiker. …

*Frederik Bombsch, FÜR SIE GELESEN, Frankfurter Rundschau 27./28.02.2016, 10.

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