… eine Stimme, die nicht verstummen darf!

Denkmal der "Grenzkriege"Denkmal der "Grenzkriege" der britischen Kolonialzeit vor der imposanten Anglikanischen Kirche in der Innenstadt von Grahamstown am Ostkap

MARIKANA 16. September 2013: Gut ein Jahr nach dem „Massaker von Marikana“, bei dem Mitte August letzten Jahres 34 streikende Minenarbeiter von der Polizei erschossen wurden, ist der Abschluss der laufenden juristischen Untersuchung noch nicht in Sicht.
Die Untersuchungskommission, die eine „rückhaltlose Aufklärung“ der Umstände des Massakers bewirken sollte, sollte die Ergebnisse bis zum Januar dieses Jahres vorlegen. Mehr als sechs Monate später wartet die Öffentlichkeit immer noch auf den Bericht.
Weder wurden die Hintergründe des Streits zweier Gewerkschaften aufgeklärt, die Auslöser waren für den „wilden“ Streik, noch wurde die Polizei für die Unverhältnismäßigkeit ihres Einsatzes zur Rechenschaft gezogen. Und das, obwohl inzwischen feststeht, dass die Polizisten nicht ausschließlich in Notwehr geschossen hatten, wie sie behaupten.
Man hofft zudem, dass die Ergebnisse der Untersuchungskommission beispielweise auch das zerrüttete Verhältnis zwischen den Bergarbeitern und der Regierungsallianz ANC-Cosatu-SACP, von der sich die Arbeiter verraten und verkauft fühlen, kitten helfen würde.

Einschüchterung und Ermordung von Zeugen

Die Überlebenden und die Angehörigen der verletzten, inhaftierten und der getöteten Arbeiter haben bisher immer wieder erleben müssen, dass bei aller Aufmerksamkeit, die dem Massaker vor allem in den Medien geschenkt wurde, sie selber aber selten nach ihren Erlebnissen und Meinungen gefragt werden. Oft werden sie schlicht übergangen, vor Zeugenaussagen vor der Untersuchungskommission verunsichert, eingeschüchtert oder gar angegriffen. Kürzlich wurde wieder eine Vertreterin einer der beteiligten Gewerkschaften unweit der Mine erschossen.
Von den Angehörigen, die Mitte Mai aus den ferngelegenen Herkunftsorten der Minenarbeiter im früheren „Homeland“ Transkei im Ostkap und den Nachbarstaaten Lesotho und Swaziland gekommen waren, um an einer Sitzung zur Anhörung vor der Untersuchungskommission teilzunehmen, haben im Rahmen eines Workshops, den die Menschenrechtsorganisation Khulumani Support Group mit ihnen durchgeführt hat, acht Frauen, Witwen, Interviews gegeben, in denen sie von sich und dem gemeinsamen Leben mit den getöteten Ehemännern berichten.

Stimmen, die Gehör finden sollen

Khulumani hat die Interviews inzwischen veröffentlicht. Das Heft, „Hear our Stories“, stößt auf großes und anhaltendes Interesse nicht nur in den Herkunftsorten der Überlebenden und Angehörigen, sondern und gerade auch in den Townships bei Kapstadt, Johannesburg und Durban. Das Heft stellt eine geballte Stimme dar, die nicht verstummen darf, die unbedingt Gehör finden soll, wenn die Arbeit der Untersuchungskommission auch nur annähernd dazu beitragen sollte, das erlittene Unrecht beim Namen zu nennen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Nachtrag

Heute [30. September 2013] erhalte ich von der Menschenrechtsorganisation Khulumani folgende Meldung: „… Die Lage in und um Marikana hat sich drastisch verschlechtert. Der Staat weigert sich immer noch, die Anwaltskosten der inhaftierten und gefolterten Minenarbeiter und die der Familien der Minenarbeiter, die getötet wurden, mitzutragen. Dies hat zur Folge, dass außer den Witwen derzeit keine anderen betroffenen Personen den Anhörungen der Farlam-Untersuchungskommission beiwohnen können.
„Das Team der Verteidiger vor der Kommission unter Leitung von Matthew Chaskalson und Geoff Budlender legte letzte Woche Beweise vor, wonach an den [schriftlichen] Aussagen, die es für die Farlam-Untersuchungskommission vorbereitet hatte, vorschriftswidrig herumgepfuscht wurde und sie nachträglich rekonstruiert worden seien. Siehe dazu den beiliegenden Artikel von Freitag, den 27. September 2013 aus der Mail & Guardian.“

Ich frage mich: Was müssen die Überlebenden und die Angehörigen noch alles über sich ergehen lassen und sich erst erkämpfen, ehe ihrer Hoffnung Recht gegeben wird, dass ihnen Recht widerfährt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden?

Ben Khumalo-Seegelken

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