Koffi Mensah aus Togo in der Wildeshauser Geest zu Hause

Koffi Mensah aus Togo in der Wildeshauser Geest zu Hause [Bild: Christoph Koopmeiners]

Koffi Mensah aus Togo lebt nun fast die Hälfte seines Lebens in Deutschland.  Seit zehn Jahren ist er deutscher Staatsbürger. Christoph Koopmeiners hat Koffi Mensah interviewt und berichtet:

WILDESHAUSEN, 04.09.2014: Koffi Mensah ist en ausgesprochen freiheitsliebender Mensch. Verfolgung und Menschenrechtsverletzungen in Togo unter dem einstigen Diktator Gnasingbé Eyadéma haben ihn und viele Landsleute ins Exil gezwungen. 1992 kam Koffi Mensah nach Deutschland. „Ich bin mein ganzes Leben von der europäischen Kultur geprägt worden“, erzählt der 46-Jährige, der seit drei Jahren in Wildeshausen lebt.

„Togo war bis zum 1. Weltkrieg 30 Jahre lang deutsche Kolonie [gewesen], danach französische“, gibt er einen Einblick in die Geschichte seines westafrikanischen Heimatlandes. Auch wenn Ewe seine Muttersprache [ist], sei er auch mit der französischen Sprache aufgewachsen, die heute noch Amtssprache in Togo ist.

Sprache ist das A und O

Deutch beherrscht er perfekt. Wenn du in ein fremdes Land kommst und dort heimisch werden willst, musst du die Sprache lernen“, lässt Mensah kein Zweifel am A und O jeder Integration. In den ersten beiden Jahren lernte er vier Mal pro Woche von 9 bis 13 Uhr Deutsch – in Bremen. Die längste Zeit hat er in der Hansestadt gelebt. Er schätzt die weltoffene und tolerante Stat. „Bremen ist schön und angenehm.“

Koffi Mensah lernte in Togo Kfz-Mechaniker und fuhr Lastwagen, bevor er nach Deutschland kam. In Bremen arbeitete er 16 Jahre lang als angelernter Buchbinder. Dort war er auch verheiratet, hat ein Patenkind. Seit zehn Jahren ist er deutscher Staatsbürger. „Ich lebe Deutsch, ich es Deutsch, ich träume Deutsch und ich habe viele deutsche Freunde“, sagt Mensah. „Wenn ich mal in Togo bin, sagt meine Familie dort, ich hätte deutsches Temperament, ich sei gründlich und ordentlich.“

Mit 40 packte ihn eine Sinnkrise. „Freitags habe ich Fenster geputzt, samstags mein Auto gewaschen. Ich habe lange gebraucht, um den Mut zu finden, dass es mehr gibt als die Druckerei, obwohl Buchbinder ein schöner Beruf ist.“ Koffi Mensah brach aus. Er ging zu Freunden nach Belgien, lernte Niederländisch, suchte einen neuen Job.  „Weil ich dort nicht schnell eine Stelle fand, nahm ich einen Job in Schweinfurt an“, den er aber nach einigen Monaten wieder kündigte. Er ging zurück nach Bremen und arbeitete wieder in einer Druckerei.

„Ich bin seit vielen Jahren mit Familie Rebensburg befreundet“, berichtet Mensah über seinen Kontakt nach Wildeshausen. „So ergab es sich, dass ich 2011 nach hier her zog.“ Wildeshausen gefalle ihm, weil es ruhig und beschaulich sei. Er kenne hier zwar noch nicht so viele Leute wie in Bremen, doch das ergebe sich schon mit der Zeit. Manch Wildeshauser ist ihm bestimmt schon mal beim Joggen begegnet.

Umschulung begonnen

Derzeit konzentriert sich Koffi Mensah ganz auf seine Umschulung. Seit März lernt der 46-Jährige Maschinen- und Anlagenführer in der Lebensmittelbranche. Im vierwöchigen Wechsel drückt er die Schulbank und arbeitet im Betrieb. Ein Jahr dauert die Umschulung noch. „Die Ausbildung ist mir jetzt das Allerwichtigste“, betont er. „In Deutschland ist es wichtig, einen Beruf mit Zertifikat zu haben.“

In seinem Betrieb fällt Koffi Mensah auf, obwohl er zahlreiche Kollegen mit Migrationshintergrund hat. Doch niemand von ihnen hat afrikanische Wurzeln. „Wenn ich gefragt werde, woher ich komme, sage ich aus Deutschland.“ Mensah schmunzelt. „I am a German“, lautet sein Credo. „Ich bin hier zu Hause.“ Wenn jemand hier her komme und ein Stück weit die Kultur annehme, könne er sich hier zu Hause fühlen. „Dann bietet Deutschland viele Möglichkeiten.“

Quelle: Nordwest-Zeitung, 04.09.2014, Seite 30.

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