Eine saubere Lösung

„In Tansania“ berichtet Onyedi Obiukwu, „hat fast die Hälfe der Menschenkeinen Zugang zu reinem Trinkwasser.“ und erzählt: „Chemiker Askwar Hilonga hat einen preisgekrönten Filter entwickelt, der das ändern soll.“  Wir geben seinen Bericht leicht verkürzt wider:

Als der Tansanier Askwar Hilonga im Juni 2015 den Preis der britischen „Royal Academy for Engineering“ (RAENG) für herausragende technische Innovationen in Afrika entgegennahm, war es für ihn mehr als eine bloße Ehrung. Es war weit mehr als das Resultat irgendeines Forschungsprojektes, in das er zufälligerweise gerate war. Stattdessen war es die Bestätigung für eine Unternehmung, die er schon zu seiner Berufung gemacht hatte, als er noch als Jugendlicher in seinem Heimatdorf lebte.

Damals musste er zusehen, wie Freunde und Verwandte Krankheiten zum Opfer fielen, die durch verunreinigtes Wasser übertragen wurden. Die Arbeit, für die er nun ausgezeichnet wurde, ist seine Antwort auf diese Erfahrung: der „Nanofilter“, ein kostengünstiges und umweltfreundliches System der Wasserfilterung. Es kann aus jeder Wasserquelle gesundes Trinkwasser herstellen. Diese Innovation habe as Potenzial, viele Leben in Afrika und der ganzen Welt zu retten, schrieb die Royal Academy in ihrer Laudatio. Hilonga ist so optimistisch wie nie zuvor, dass das auch Wirklichkeit werden könnte.

Der Nanofilter nutz Sand und Non-Teilchen, um Wasser zu reinigen. “Er entfernt 99,99 Prozent aller Schadstoffe im Wasser“, sagt Erfinder Hilonga, der nebenbei als Universitätsdozent tätig ist und in Nanotechnologie promoviert hat. „Der Filter hat die Fähigkeit, die Wirkungsweise der Nano-Teilchen zu lenken und damit spezifische Verunreinigungen zu entfernen. Schwermetale wie Kupfer, Giftstoffe wie Arsen, aber auch Bakterien, Viren und sogar Pestizide können auf diese Weise gefiltert werden.“

Welche Giftstoffe im Wasser enthalten sind, unterscheidet sich stark von Region zu Region und ist neben den menschlichen Verunreinigungen auch abhängig von Gesteinsarten und der Beschaffenheit des Bodens. Hilonga zufolge könne der Nanofilter speziell an die lokalen Gegebenheiten angepasst werden. “Das Wasser wird zunächst getestet, bevor wir einen Nanofilter entwickeln, der die gemessenen Verschmutzungen entfernt. Er funktioniert streng genommen wie ein Sieb.“ Dafür brauche es keinen Strom, nicht einmal Solarenergie. Auch eine UV-Behandlung oder chemische Zusätze seien nicht nötig.

Sein Unternehmen benannte Hilonga nach seinem Heimatdorf Gongali im Nordosten des Landes. Dort erlebte er hautnah, welche desaströsen Effekte kontaminiertes Trinkwasser mit sich bringen kann. Dort reifte die Überlegung, etwas dagegen tun zu müssen. Heute möchte er nicht mehr nur seiner Gemeinschaft helfen, sondern auch den vielen anderen Menschen im Land, die unter denselben Lebensbedingungen leiden. Etwa neun Millionen Haushalte in Tansania nutzten bisher keine Form von Wasseraufbereitung, so Hilonga. „Mit unseren Kooperationspartnern denken wir auch darüber nach, unser Angebot auch auf andere Länder Subsahara-Afrikas auszuweiten. Und vielleicht sogar darüber hinaus“, fügt der Gründer hinzu.

Die 25 000 Pfund Preisgeld der Royal Academy nutzte Hilonga für weitere Investitionen. „Wir konnten unsere Kapazität erhöhen und neue Leute einstellen.“ Sein Unternehmen könne nun 20 Nanofilter pro Woche herstellen – bei einem Stückpreis von 130 US-Dollar. Mit jedem Wasserfilter lassen sich täglich etwa 60 Liter sicheres Trinkwasser reinigen. Für umgerechnet 50 US-Cent am Tag vermietet Hilonga seine Filter an lokale Kleinunternehmer, die wiederum das gefilterte Wasser verkaufen. „Sie verkaufen Trinkwasser zu einem Preis, den die Leute sich leisten können: ein Fünftel dessen, was eine abgefüllte Flasche Wasser kostet“, sagt er. Bereits etwa ein Dutzend Kleinunternehmer kann von dieser Geschäftsidee leben. Unterdessen gehen weiter Bestellungen aus Tansania, Uganda und Äthiopien ein. „Im Moment ist die Nachfrage nach dem Filter weitaus höher als das, was wir liefern können“, sagt Hilonga.

Doch die Aussichten waren nicht immer so rosig. Lange Zeit tat sich Hilonga schwer damit, Kapital zur Unternehmensgründung zu beschaffen. „Am Anfang habe ich mich gefragt, ob ich es jemals schaffen würde, mit meinem Produkt in den Markt einzusteigen. Ich war ständig auf der Suche nach Startkapital.“ Einen realistischen Businessplan zu entwickeln und Beziehungen zu potenziellen Kunden aufzubauen, waren ebenso große Herausforderungen. „Ich habe bemerkt, wie wichtig es ist, sich mit Konsumverhalten auseinanderzusetzen. Die Kunden sind nicht so unwissend, wie man meint. Sie leben ihre Traditionen seit vielen Jahren oder Jahrzehnten. Da ist es nicht so einfach, wenn einer mit einem Wasserfilter ankommt und über Nacht alle Verhaltensweisen ändern will.“ Eines ist sicher: Seinem Ziel, Forschung mit einem gesellschaftlichen Mehrwert zu verbinden, ist Hilonga mit seiner Innovation ein großes Stück näher gekommen.

aus: Frankfurter Rundschau, 19./20.12.2015, 46.

Kein Kommentar zu diesem Artikel bisher »

Kommentieren

Erlaubtes XHTML: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>